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NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Jever

Pogromnacht: Ghettoisiert und ausgeplündert

09.11.2013

Solch einen Andrang hat die Aula des Mariengymnasiums wohl selten erlebt. Etwa 400 Besucher wollten Hartmut Peters‘ Vortrag über „Die Vertreibung der Juden aus Jever in der NS Zeit: Darstellung anhand neuer Aktenfunde“ hören. Da musste jede Fensterbank als Sitzgelegenheit herhalten und die letzten Besucher konnten nur einen Platz auf dem Boden finden.

Grund des großen Interesses war sicherlich der Aktenfund im jeverschen Rathaus. Dort ist im vergangenen Jahr ein Ordner mit dem Titel „Judenpolizei“ entdeckt worden, in dem akribisch aufgezeichnet ist, wie die Verwaltung der Stadt in Zusammenarbeit mit der Gestapo Anfang des Jahres 1940 aus eigener Initiative – nicht etwa auf ausdrückliche Anweisung – die letzten in Jever verbliebenen Juden aus der Stadt vertrieben hat (die NWZ berichtete).

Aus den gefundenen Akten könne man detailliert ersehen, wie zunächst der Vorsteher der jüdischen Gemeinde vorgeladen und unter Androhung persönlicher Konsequenzen genötigt wurde, die Mitglieder seiner Gemeinde zum Wegzug zu bewegen, berichtete Peters. Anschließend seien alle Juden einzeln vorgeladen und gezwungen worden, die Stadt zu verlassen. „Ziel war, die Stadt – wie es im damaligen Jargon hieß – ,judenfrei‘ zu machen. Und zwar noch bevor die Vernichtung im Reich eigentlich einsetzte.“

Vorausgegangen war ab 1933 die Isolierung, Diffamierung und letztlich Ghettoisierung der jüdischen Bürger durch Boykott der Geschäfte, Hetze und Ausgrenzung. So lebten von ehemals 135 jüdischen Bürgern in Jever und dem Jeverland 1938 nur noch 50 in der Marienstadt. Insgesamt konnten 40 von ihnen fliehen, 67 wurden Opfer des NS Regimes, sieben haben überlebt und 18 starben vor der Deportation.

„Wer es sich leisten konnte, versuchte damals, seine Kinder ins sichere Ausland zu bringen“, berichtete Peters. Diese Kinder waren dann die ehemaligen jüdischen Jeveraner, die das Mariengymnasium Anfang der 1980 Jahre in die Stadt eingeladen hatte.

Als in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch die Synagoge an Jevers Großer Wasserpfortstraße angezündet wurde, stand die Feuerwehr löschbereit an der brennenden Synagoge – und verhinderte, dass das Feuer auf andere Gebäude übergriff.

Auch auf personelle Kontinuitäten wies Peters hin. So blieb der damalige Bürgermeister auch nach 1945 ein geachteter Bürger Jevers und war noch lange Vorsitzender des Altertums- und Heimatvereins.

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