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NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Jever

Grüße aus der Vergangenheit

28.05.2016

Jever Gruß aus der Vergangenheit: Schon im 18. Jahrhundert wurden Zeitungen nach dem Lesen gern weiterverwendet – zum Beispiel als Isoliermaterial unter dem Fensterrahmen. Es sind schon kleine Sensationen, die bei den Bauarbeiten zur Sanierung der Kassettendecke im jeverschen Schloss zutage gekommen sind: Die Zeitungsseite von 1776 war im Raum über dem Audienzsaal zusammengeknüllt in eine Lücke geschoben – wohl um Zugluft abzuhalten.

Auf einem Holzbrett, das irgendwann zur Ausbesserung des Fußbodens verwendet wurde, prangt ein Blätterdekor aus dem frühen 18. Jahrhundert. Mit „Harms 1836“, und „1972 Firma Becker Altgarmssiel“ haben sich Arbeiter verewigt, die im Schloss arbeiteten. „Das ist alles sehr spannend“, findet Museumsleiterin Professor Dr. Antje Sander. Denn alle Funde helfen dabei, die Baugeschichte des Schlosses weiter zu rekonstruieren.

Decke wird stabilisiert

Lange hat Sander dafür gekämpft, dass Bund und Land Mittel zur Verfügung stellen, um die wertvolle Kassettendecke des Audienzsaals zu stabilisieren. Die drohte zuletzt herabzustürzen. Der Grund: Die Holzdecke gerät durch die Schritte von Besuchern im darüber liegenden Raum für Sonderausstellungen in Schwingungen. „Deshalb dürfen auch immer nur 20 Personen auf einmal unsere Sonderausstellungen besuchen“, erklärt Antje Sander.

Nun wird die Decke von oben stabilisiert: Im Raum für Sonderausstellungen wurden auf die Stützbalken der Decke zusätzliche, 14 Zentimeter dicke Balken gesetzt. Gut 30 Zentimeter lange Schrauben verbinden alte und neue Balken und dienen zugleich als neue Aufhängung der Kassettendecke.

Auf die Balken wird ein neuer Fußboden aufgebaut. „Wir haben ein sehr schonendes Verfahren gewählt“, erklärt Architekt Bernhard Brakenhoff, der eng mit dem Staatlichen Baumanagement zusammenarbeitet: Die Kassettendecke werde in sich befestigt und künftig nicht mehr belastet.

Gearbeitet wird bei der Stabilisierung der Kassettendecke von oben – im Ausstellungsraum wurde dabei das ehemalige Appartement von Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst, der späteren Zarin Katharina der Großen, freigelegt (die NWZ  berichtete).

Wie sich in dem Raum zeigt, wurde die Aufhängung der Kassettendecke im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verändert. Alte Stützbalken aus der Bauzeit der prächtigen Holzdecke zu Zeiten der legendären Regentin Fräulein Maria (1500 bis 1575) belegen: Ursprünglich hing die Decke gut 60 Zentimeter höher. „Das ist eine tolle Entdeckung“, freut sich Antje Sander: In der Abseite zwischen Dach und Gang, der an den Ausstellungsraum anschließt, sind die Reste der einstigen Deckenbalken zu sehen. „Darauf ist schon Fräulein Maria gegangen“, glaubt Sander.

Das Holz wurde 1558 geschlagen – das ergab eine Untersuchung. „Damit wissen wir nun, wann die Kassettendecke gebaut wurde“, erklärt Sander.

In der Anhalt-Zerbster Zeit wurde die Decke tiefer gehängt, um die darüberliegenden Räume zum repräsentativen Appartement für Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst auszubauen.

Bauunterhalt ab 1820

Auch die Herzöge von Oldenburg, die ab 1818 das Jeverland regierten, bauten die Kassettendecke um. „Man kann sagen, dass erst in der Oldenburger Zeit ab 1820 regelmäßig Bauunterhaltung stattgefunden hat. In der Zerbster Zeit wurden immer nur die notwendigsten Arbeiten erledigt, wenn ein Fürsten-Besuch bevorstand“, berichtet die Museumsleiterin.

Dank des Handwerker-Graffitos „Harms 1936“ steht nun fest, dass in dieser Zeit die Bohlen der Decke erneuert wurden. 1882 wurde die Kassettendecke dann grundsaniert und neu aufgebaut: „Damals gab es einen Schädlingsbefall. Deshalb wurden die Kassetten abgenommen und in Terpentin getränkt“, weiß Antje Sander. Beim Wiederaufbau wurden Zinkbleche als Rieselschutz zwischen Holzkassetten und eine Isolationsschicht aus Stroh und Lehm eingebaut.

Bei der nun durchgeführten Stabilisierung sorgten die alten Holzwurmlöcher von 1882 kurz für Aufregung: „Es war nicht ganz klar, ob der Holzwurm nicht noch aktiv ist“, sagt Sander. Eine einwöchige Bauunterbrechung musste deshalb eingelegt werden, bis feststand: „Der Holzwurm ist zum Glück seit 150 Jahren tot.“

Weitere Unterbrechungen wegen Unvorhersehbarem sollte es nun nicht mehr geben: Bis zum 8. Juni muss die Kassettendecke fertig und der Audienzsaal wieder nutzbar sein. Dann findet nämlich das erste der diesjährigen Schlosskonzerte statt.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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