Jever - Ein Museum ist nicht nur Hort ehrwürdiger Exponate – wenn es sich um ein Schlossmuseum handelt, ist es auch voll von „Fundstücken“, unscheinbaren Gegenständen, Schriftstücken, Fotos und Dokumenten. Und hinter jedem steckt eine Geschichte. Der Archivar Albert Ehrenstein, genannt „Albert aus dem Schloss“, ist kauzig, aber er hat ein Gespür für Fundstücke und die Geschichten dahinter. Und er kann sie auch erzählen.

Albert ist eine Theaterfigur, erdacht und mit Leben erfüllt von dem Schauspieler Franz Fendt in Zusammenarbeit mit Frank Fuhrmann, Regisseur und Dramaturg der Landesbühne Niedersachsen Nord. Die Kooperation von Landesbühne und Schlossmuseum hatte wegen der Pandemie in diesem Jahr schon so manche schwere Störung, aber immer wieder haben Museumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander und Frank Fuhrmann trotzdem die Kurve gekriegt und konnten Theaterkultur anbieten. Eines weiß Fuhrmann aber schon, nachdem kein Projekt regulär laufen konnte, das auf dem Programmfaltblatt aufgeführt ist: „Das mit dem Flyer machen wir nicht wieder.“

Mit dem Stück „Fundstücke“ hätten Fendt und Fuhrmann Donnerstagabend Premiere im Schloss gehabt – wieder stellt sich die Pandemie quer. Doch erneut bleiben die Theaterleute dem Publikum nichts schuldig und liefern ab. Die Geschichten von Albert im Schloss werden in dieser Woche als Podcast-Episoden für die Homepage des Museums produziert und immer dann freigeschaltet, wenn ein Aufführungstermin gewesen wäre, also Donnerstag, am Premierentag, am kommenden Wochenende, 14. und 15. November, am 20., 21. und 22. November. Wer in die kleine Serie einsteigt, kann jeweils immer auf die bereits gesendeten Folgen zurückgreifen.

Antje Sander hat für ihren Archivar Albert im Edzard-Zimmer Platz geschaffen, dort sitzt er hinter seinem Schreibtisch und fabuliert mit stark schwäbischem Einschlag darüber, dass er eigentlich Bibliothekar ist, der „an der VHS eine Umschulung zum Archivar“ gemacht hat. Antje Sander habe seine Neugier schnell bemerkt und ihn dann eingestellt – so viel zur Vita des etwas umständlich parlierenden Fundstück-Experten. Filmemacher Basel Mansour und dessen Bruder Hussam sorgen dafür, dass daraus handliche Videos werden. Gedreht wird im Schloss und im Schlossgarten. „So werden aus dem ursprünglichen Stück von 40 oder 50 Minuten mehr als zwei Stunden“, erklärt Frank Fuhrmann.

Fuhrmann ist vom Konzept überzeugt, weil Franz Fendt und er es schon vor Publikum erprobt und weiterentwickelt haben. „Was uns beide verbindet, ist das Geschichtenerzählen“, berichtet Fuhrmann über die Zusammenarbeit.

In Antje Sander hat der Archivar die perfekte Chefin gefunden. Ihr fallen nämlich die besonderen Stücke auf dem Schreibtisch und an der Pinnwand ihres Mitarbeiters auf, von denen sie bisher noch gar nichts wusste. Ein schöner Anstoß für Erzählungen.