Jever - Seit 600 Jahren leben Angehörige der Volksgruppe der Sinti im deutschen Sprachraum. Eine halbe Million von ihnen kam in den Konzentrationslagern der nationalsozialistischen Diktatur um. Dies waren rund 90 Prozent ihres Bevölkerungsanteils. Der Völkermord an ihnen wurde erst 1982 in der Bundesrepublik Deutschland als solcher benannt.

Dies erfuhren die Gäste der Ausstellungseröffnung Unter uns? Sinti in Ostfriesland im Gröschler-Haus Jever. Die Ausstellung wurde vom ersten Sinti-Verein Ostfriesland, vertreten durch dessen Vorsitzenden Michael Wagner, seinen Stellvertreter Ingo Lindemann und den Ehrenvorsitzenden Mirando Wagner, und vom Heimatmuseum Leer konzipiert. In Jever ist die Ausstellung noch bis Sonntag, 30. Juni, zu sehen.

Auf den Informationstafeln wird die Geschichte der Sinti-Familien im Raum Leer beleuchtet, ihre Verfolgung, ihre Emanzipationsbestrebungen sowie ihre Diffamierung als Zigeuner oder Landfahrer. Diese halte bis heute an, etwa bei der Wohnungssuche, berichtete Michael Wagner. Ihr Verein sei 2015 gegründet worden, um ihren Kindern und Enkeln schulische und berufliche Perspektiven zu bieten. Mirando Wagner stellte fest, er sei deutscher Sinti und Katholik durch und durch.