JEVER - Wenn sie sich nicht schon im Jahr 1575 durch den unterirdischen Tunnel davon gemacht hätte, hätte sich Fräulein Maria von Jever wohl die Augen gerieben und ungläubig das bunte Treiben in ihrem Schloss beobachtet. Denn das, was sie am Sonntag zu sehen bekam, überstieg weit das, was die üblichen Besucher des Schlossmuseums während des Rundgangs machen. Da wurde in dunkle Ecken geleuchtet, da wurden Treppenstufen auch von unten genau untersucht, da wurden Gegenstände gezählt, Uhrzeiten berechnet, Wände betastet und es wurde in Kaminlöcher geschaut.

Mehr als 80 Freunde des Geocachings, jener modernen Form der altgedienten Schnitzeljagd, waren der Einladung der drei Organisatoren Christoph Gerken, Jörg Ratzmann und Benjamin Heidenreich gefolgt, um in Gruppen das Schloss zu durchstreifen und sich mit der Taschenlampe bewaffnet auf eine Schatzsuche der besonderen Art zu begeben.

16 Stationen mussten die Einzelnen anlaufen, und dabei war genaues Hinsehen das, was am meisten gefordert war. Denn die Organisatoren, die bei Museumsleiterin Professor Dr. Antje Sander offene Türen eingerannt hatten mit der Idee, Geocacher ins Schloss zu holen und sie dort auf Schatzsuche zu schicken, warteten mit einem Parcours auf, der es in sich hatte.

'Wir haben vom Museum jede nur erdenkliche Unterstützung bekommen', freute sich Christoph Gerken, der zusammen mit seinen Mitstreitern viel Vorbereitung in das Event gesteckt hatte, das Freunde des Geocachings nicht nur aus Friesland, sondern auch aus Wilhelmshaven, dem benachbarten Ostfriesland und sogar aus Koblenz nach Jever geführt hatte. Die Museumsleiterin hatte im Vorfeld keinerlei Berührungsängste gezeigt, sodass sogar Eingriffe in die Ausstellung vorgenommen werden durften. Dies verwunderte auch die Schatzsucher, die beispielsweise nicht damit gerechnet hatten, dass plötzlich eine Münze mehr in der Münzsammlung lag oder dass Gewichte manipuliert worden waren. 'Darauf muss man erst mal kommen', sagte ein Schatzsucher. Ihm und den anderen Teilnehmern des besonderen Ereignisses machte es viel Freude, sich auf den Spuren Marias durchs Schloss zu bewegen und die einzelnen Stationen zu 'knacken'. An jeder Station gab es eine Zahl, so dass am Ende die Schatztruhe, gesichert mit vier Schlössern, geöffnet werden konnte. Damit war das Ziel erreicht: Die Geocacher konnten sich in das Logbuch eintragen. Bei dieser vergnüglichen Tour durchs Schloss erfuhren die Geocacher, die sich in den im wahrsten Sinne des Wortes zusammengewürfelten Gruppen näher kennenlernten, das Museum und damit auch die jeversche Geschichte auf eine ganz besondere Art und Weise. 'Der Weg ist das Ziel', hatte Organisator Christoph Gerken am Anfang gesagt. Das beherzigten alle, sodass das dritte Geocaching-Event, das das Organisationstrio auf die Beine gestellt hatte, ein voller Erfolg wurde.