Jever - 100 Jahre Bauhaus – auch im Oldenburger Land. Im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg widmet sich die Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung – Das Bauhaus in Oldenburg“ bis 4. August der freiheitlich-innovativen Gestaltungsschule, die ab 1919 in Weimar und Dessau entstand und gelehrt wurde.
Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. Walter Gropius holte 1919 die europäische Künstleravantgarde in die Stadt – und revolutionierte die Architektur.
Leitbild des Bauhaus war: Die Form folgt der Funktion. Entworfen wurde sachliche Architektur mit hohem Gebrauchswert, gutes Design für alle Menschen und vor allem bezahlbar. In diesem Stil hat die NWZ heute auch ihre Titelseite gestaltet.
Merkmale des Bauhaus – Bauen ohne Schnörkel, offene Grundrisse, viel Licht, die Verbindung von innen und außen – sind auch für heutige Gebäude interessant. Als Merkmale der Bauhaus-Architektur gelten Kubische Formen Flachdach oder Satteldach ohne Dachvorsprung Schlichte und klare Architektur weiße Putzfassade, dunkle Fenster, evtl. Farbflächen in dunklen Grautönen große Glasflächen und liegende Fensterbänder minimalistischer Stil gerade Linien, Formen und Farben Luftbalken-Architektur, die den Baukörper mit dem Außenraum verbindet.
Doch wie viel Bauhaus gibt es außerhalb Oldenburgs im Jeverland? Wurde die sachliche Architektur mit der Idee „Form folgt Funktion“ auch im ländlichen Bereich umgesetzt? „So weit ich weiß, gibt es im Nordkreis Frieslands keine historischen Gebäude der Bauhaus-Tradition“, sagt Dr. Martin Dehrendorf, Planer beim Landkreis Friesland, und Architektur-Experte. „Im Südkreis kann das Gebäude der ehemaligen Hansa-Werke in Varel als ein früher Vorläufer gelten.“
Allerdings: „Gerade im Nordkreis sind aber zahlreiche zeitgenössische Bauten der Entwurfslehre des Bauhaus verpflichtet. Ich denke etwa an die Bauten von Friedrich C. Meyer, die ebenso wie sein Entwurf für die Tourist-Info deutliche Anklänge an das frühe Bauhaus aufweisen.“
Und sehr bewusst eingesetzte Elemente der Bauhaus-Entwurfslehre sind bei den beiden Gebäuden des Architekten Prof. Enno Schneider aus Berlin zu entdecken: Der Verwaltungsneubau des Landkreises am Schlosserplatz und das zurzeit noch im Bau befindliche neue Gebäude des Mariengymnasiums bringen 100 Jahre nach Aufkommen des Bauhaus diese Gestaltungsform auch nach Jever.
Den Verwaltungsneubau am Schlosserplatz zeichnet ein kompakter Baukörper aus mit offenem, kommunikativem Charakter. Eine offene Treppe verbindet drei Ebenen. Die Treppenhäuser und Nebennutzflächen sind als Kuben in das Atrium eingestellt. Die Büroflächen orientieren sich zu den angrenzenden Grünflächen und sind ihren funktionalen Anforderungen entsprechend auf den einzelnen Ebenen angeordnet.
„Es gibt heute in der Region viele Bauhaus-Begeisterte“, sagt Architekt Friedel Meyer von „Metaplan“ in Jever – er gehört selbst dazu. Er entwirft Neu- und Umbauten mit Bauhaus-Anklängen. Klare Linien, schwebende Formen, Überstände, viel Glas – „das kommt der Lichteinstrahlung entgegen. Die Gebäude wirken schlicht, zugleich bestechen sie durch ihre harmonischen Proportionen“, schwärmt er.
Meyer besucht regelmäßig die „Bauhäuser“ in Weimar und Dessau. „Ich finde toll, was sie dort ab den 1920er Jahren gebaut haben. Und genauso toll ist die Entwicklung seitdem: Wir können mit dem heutigen Material aufbauend auf der Bauhaus-Formsprache noch ganz andere Dinge bauen.“
Er bedauert, dass Bauhaus viel zu oft schlecht kopiert wird. „Nur weil man einen weiß gekalkten Würfel vor sich sieht, ist das noch lange kein Bauhaus.“
