Jever - Fair ist es, andere Kinder nicht zu schlagen oder zu schubsen, aber fair ist auch, wenn die Bananen oder andere Produkte von Bauern stammen, die anständig, also fair, bezahlt werden. Die Kinder der Kindertagesstätte Lindenallee hatten am Samstag alle Antworten parat, als ihre Einrichtung mit dem Siegel „Faire Kita“ ausgezeichnet wurde. Ein Jahr lang hatten Kinder, Eltern und Erzieherinnen dieses Ziel verfolgt: nach dem Landkreis Friesland, der Stadt Jever und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Jever selbst auch die Bezeichnung „fair“ tragen zu dürfen.
Ein Jahr dafür gearbeitet
Mit einem großen Sommerfest für die Kinder und ihre Familien wurde die erfolgreiche Teilnahme an dem Projekt jetzt gefeiert, an dem alle mitwirken mussten, damit es gelingen konnte. Dirk Steinmeyer von der Süd-Nord-Beratung in Osnabrück überreichte die Urkunde und ein entsprechendes Schild an die Leiterin des Kindergartens, Sabine Strauß- Isenrath.
Da lag schon ein langer Prozess hinter allen Beteiligten. „Vor einem Jahr haben wir uns auf diesen Weg gemacht“, blickte die Leiterin der Kita zurück. In dieser Zeit hätten alle, Kinder, Eltern und Erzieherinnen viel gelernt und erreicht. Da waren unter anderem die kreative Auseinandersetzung mit fairem Handel und Müllvermeidung, der faire Einkauf im Welt-Laden und der Anbau von eigenen Früchten. Sabine Strauß-Isenrath bedankte sich bei ihren Kolleginnen und den Eltern, ohne deren Zustimmung und Engagement der Prozess nicht möglich gewesen wäre.
Schon immer nachhaltig
Wolfgang Steinborn, Pädagogischer Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Jever, erzählte, dass er die Kindergartenleiterin schon vor mehr als 30 Jahren als Auszubildende kennengelernt habe. Damals habe sie bereits engagiert ein Müll-Projekt vorangetrieben und sich für Nachhaltigkeit stark gemacht. Er applaudierte den Kindern dafür, dass sie den ersten fairen Kindergarten in Friesland ermöglicht hätten.
Pastor Rüdiger Möllenberg erinnerte daran, wie vor mehr als 32 Jahren der faire Weltladen in der Gemeinde ins Leben gerufen wurde. An die Kinder gewandt sagte er: „Wir wären heute schon viel weiter, wenn eure Eltern diese Dinge so wie ihr schon mit der Muttermilch aufgesogen hätten.“ Die Jüngsten seien bei der Nachhaltigkeit immer am wichtigsten. Auch Dirk Steinmeyer fand im Dialog schnell den Schlüssel zu den anwesenden Kindern und band sie wie seine Vorredner als Hauptpersonen in die Feierstunde ein. Ihnen nahm er das Versprechen ab, sich darum zu kümmern, dass das Siegel-Schild auch gut sichtbar am Kindergarten angebracht werde.
Ohne Corona-Auflagen
Den offiziellen Teil mit den nicht zu langen Ansprachen lockerten die Kinder mit einstudierten Tänzen auf, und dann begann das eigentliche Sommerfest – ganz und gar ohne Corona-Auflagen – mit Musik, vielen Spielmöglichkeiten und natürlich auch zahlreichen Leckereien.
Alle müssen beteiligt werden
Der Weg zum Siegel: Zunächst muss ein Gremium (Eltern, Träger, Kita-Team) beschließen, dass das Siegel angestrebt werden soll. Dafür müssen dauerhaft mindestens zwei Produkte aus fairem Handel verwendet sowie Bildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema „Fairer Handel“ umgesetzt werden.
Ein Team aus mindestens einem Mitarbeiter der Kita und einer Vertretung der Eltern sorgt für die Umsetzung und die kontinuierliche Einhaltung der Kriterien. Der faire Handel muss in den Alltag integriert werden, dafür soll es mindestens ein Produkt für Erwachsene geben (zum Beispiel Kaffee, Tee, Zucker) und mindestens ein Produkt für Kinder (zum Beispiel Saft, Tee, Zucker, Kakao, Schokolade, Trockenfrüchte).
Das Projekt
Der Verein Süd-Nord-Beratung (VeB) unterstützt das Bestreben, globales Lernen in die pädagogische Arbeit von Kindertagesstätten und Kindergärten zu integrieren. Ziel ist es, mit den Kindern über den Tellerrand zu schauen, ein frühes Verständnis für globale Zusammenhänge in Bezug auf Konsumverhalten hier und Arbeits- und Lebensbedingungen anderswo zu wecken und ein faires Miteinander zu fördern. Das Projekt-Team der Süd-Nord-Beratung ist für die Bewerbungen, Faire-Kita-Auszeichnungen sowie für Wiederauszeichnungen zuständig.
