Jever - Ob der Satz wirklich von Jean-Baptiste Poquelin, (alias Molière) stammt, ist nicht bekannt. „Theater wird aus dem Konflikt geboren“, stellte Landesbühne-Nord-Schauspieler Jeffrey von Laun am Freitagabend in der Rolle des berühmten französischen Komödiendichters fest. Mit welchem Konflikt die Theaterleute in den vergangenen eineinhalb Corona-Jahren konfrontiert waren, erläuterte Frank Fuhrmann bei der „Musenhof“-Auftaktveranstaltung vor dem jeverschen Schloss. „Wir haben viel gearbeitet, aber es ist nichts nach draußen gedrungen“, bedauerte der künstlerische Leiter.
Kultur wieder gemeinsam feiern
„Wir freuen uns unbändig, dass wir Kultur wieder gemeinsam feiern können“, sagte Museumsleiterin Professorin Dr. Antje Sander. Das galt sicherlich auch für die Schauspieler der Landesbühne und des Künstlerkollektivs „die bagage“, die an den drei vergangenen Wochenend-Abenden vor der Schlosskulisse ihre einstudierten Stücke zeigten.
So versuchte Fuhrmann in der Parkwächter-Rolle einen illegalen Camper (Vasilios Zavrakis) aus dem Schlossgarten zu vertreiben. Das geschah in gleich fünf Varianten, wobei Zavrakis auch sein Talent als Sänger bewies und das Lied vom „Mädchen von Piräus“ sang, das sehnsüchtig auf Schiffe aus Hongkong, Jever, Java, Chile und Shanghai wartet.
Molière und Luigi
Während die Gäste im Innenhof miterlebten, wie Molière Höchstselbst mit zwei Schauspielern seiner Zeit (Gerrit Frers und Konstanze Fischer) eine neue Komödie einstudierte, servierte Luigi (Franz Fendt) in seinem neu eröffneten „Café con amore“ schauspielerische Heißgetränke – und zwar „inne Slossgarte von Jefä mit große Castello“. Attestiert wurde der Barista von den beiden sich ständig zankenden Mitarbeiterinnen Lore und Lotte (Karin Fuhrmann und Gaby Morgen), die ihren depressiven Chef gerade noch davon abbringen konnten, sich aufzuhängen („Erst den Kaffee – dann den Suizid“).
Carl Friedrich Gauß
Auf dem Schlossgartenhügel erläuterte Helmut Rühl in der Person des Urvaters des deutschen Vermessungswesens, Carl Friedrich Gauß, warum sich der Schlossturm so hervorragend für die Landvermessung eignet. Womit der Mathematiker, der sich gerade von den Folgen eines Kutschenunfalls erholt hat, jedoch nicht gerechnet hat: An der See ist während der Moorbrandsaison die Luft „nicht immer klar und rein“.
Krönungsfeierlichkeiten
Dass auch in den Schlossführern schauspielerische Fähigkeiten stecken, bewiesen Werner Kleinschmidt und Gisela Vahlenkamp, die als Türmer beziehungsweise Kastellanin verkleidet für die Gäste die Speisen und Getränke ausgesucht hatten. Auf dem Schlossvorplatz zickten sich die Zerbsterin Johanna Charlotte von Bernstedt (Katharina Nawratil) und die Jeverländerin Trienke Marie Eden (Frauke Büsing-Gerdes) anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten von Katharina der Großen gegenseitig an.
Nach langer Kulturabstinenz sei nun Mut und Entschlossenheit gefragt, „um den Menschen ein Stück Lebensqualität wiederzugeben“, sagte Bürgermeister Jan Edo Albers. Das wäre sicherlich auch ganz im Sinne Molières gewesen, der am Ende der Proben für das „Stück im Stück“ feststellte: „Ich glaube, es ist noch viel zu tun.“
