JEVER - Kopftuch, Minderheitenrechte, religiöser Extremismus, Priesterweihe für Frauen und weibliche Genitalverstümmelung – beim 'Interreligiösen Dialog' am Sonnabend im jeverschen Schloss gab es keine Tabuthemen. Die etwa 50 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und konfrontierten die vier Religions-Vertreter auch mit kritischen Fragen. Das war ganz im Sinne von Landrat Sven Ambrosy, der sich in seiner Begrüßung dafür aussprach, Flüchtlingen und Menschen anderer Glaubensrichtungen eine Chance zu geben, aber gleichzeitig auch 'Pflichten zu definieren'.
Wer einen bärtigen Imam als Muslim-Vertreter erwartet hatte, sah sich getäuscht. Der Verein Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) hatte die Emderin Sirin Eyüpoglu nach Jever geschickt. Die junge Mathe- und Sportlehrerin erschien zwar ohne Kopftuch, jedoch spielten das Kopftuch-Thema und die Rolle der Frau im Islam bereits beim sogenannten 'Speed-Dating', bei dem die Religionsvertreter zu fünf unterschiedlichen Themenbereichen befragt wurden, eine große Rolle.
Katrin Jansen verteidigte zum Teil das Tragen von Kopftüchern als Ausdruck des Glaubens. 'Ich würde mich auch unterdrückt fühlen, dürfte ich keine Kreuz-Halskette tragen', so die Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde.
Für einen offiziellen Vertreter der katholischen Kirche ungewohnt offen sprach Klaus Elfert. Miskin Catuk sprach auf der Veranstaltung für die Jesiden.
In seinem Schlusswort rief Organisator Jannes Wiesner dazu auf, 'Hetzern entgegenzutreten und die Stimme gegen Spalter und Hassprediger zu erheben'. Den vom Jugendparlament Friesland anlässlich der 'Together'-Kampagne organisierten 'Interreligiösen Dialog' bezeichnete der 17-Jährige als einen ersten Schritt zur Verständigung.
