Jever/Eggelingen - Auf der Bühne spricht „Clown Pavel“ ja höchstens etwas im unverständlichen Gromolo – obwohl er dort meist fast gar nichts zu sagen pflegt. Im Pressegespräch aber erzählt Norbert Stieglitz, so sein bürgerlicher Name, gern etwas über seinen sehr speziellen Werdegang: Erst Fluglotse, dann Sterbebegleiter und jetzt Clown – wie geht das denn?
Die Wurzeln wurden schon früh gelegt, denn er und seine Ehefrau Frauke liebten Zirkus-Besuche schon immer. Allerdings eher in der poetischen Art des „Circus Roncalli“, den André Heller und Bernhard Paul 1976 ins Leben riefen.
Damals übte der gebürtige Oldenburger noch seinen Beruf als militärischer Fluglotse aus, offizielle Bezeichnung übrigens Flugsicherungskontrolleur. Während dieser Zeit lebte die Familie mit ihren beiden Töchtern in Moorwarfen. Sein letzter Dienstposten war der Fliegerhorst Wittmund, dann wurde der Fachoffizier im Regelalter von 55 Jahren pensioniert.
Im Hospizverein engagiert
Zu dieser Zeit engagierte sich Stieglitz bereits beim Ambulanten Hospizverein Wilhelmshaven-Friesland und ließ sich auch zum qualifizierten Sterbebegleiter ausbilden. Für den Verein übernahm er außerdem die Pressearbeit, denn er hatte – nach einem Praktikum beim Jeverschen Wochenblatt – schon als Soldat nebenher als Presseoffizier gearbeitet und unter anderem für die Geschwaderzeitung geschrieben.
Von Beginn an wirkte Stieglitz dann ab 2011 im neu gegründeten Friedel-Orth-Hospiz mit. Neben den Aufgaben als Sterbebegleiter und für die Öffentlichkeitsarbeit brachte ihn der Kontakt zum Trauer-Café des Hospizes dazu, sich auch als Trauerbegleiter ausbilden zu lassen. Wobei nebenher auch die Idee zum „Projekt Männerkochen“ entstand, für die er einer der Urheber war.
Nun besteht insbesondere die Sterbebegleitung durchaus nicht nur aus Trübsalblasen, und andererseits ist der 67-Jährige ja kein Freund der Clownerien im Stil des „dummen August“. Und da gab es 2016 – die Eheleute waren zu der Zeit bereits nach Eggelingen umgezogen, weil Ehefrau Frauke endlich einen richtig großen Garten haben wollte – das Wochenendseminar „Erwecke den Clown in dir“ im Evangelischen Bildungshaus Rastede.
Noch heute schwärmt er von der Ausbildung
Stieglitz hat einfach mal mitgemacht. Sein Fazit? „Noch nie zuvor habe ich so viel Spaß gehabt.“ Als für 2017 sogar eine richtige Ausbildung mit einer ganzen Seminarreihe angeboten wurde, drängte ihn seine Familie, unbedingt mitzumachen. So ging es im Januar 2017 mit elf Anwärterinnen und ihm als Quotenmann los. Da sei regelrecht eine Tür für ihn aufgegangen, schwärmt Stieglitz noch heute. Wesentlichen Anteil daran hatte Heike Schaf als Clowns-Lehrerin, denn die sei nicht nur eine versierte Theaterpädagogin sondern selbst ausgebildete Clownin.
Natürlich wollte der frischgebackene „Clown Pavel“ nun auch Publikum zum Schmunzeln und Lachen bringen und er wagte sich an erste kleine Auftritte. Schminke benutzt er nicht und seine Verkleidung ist eher dezent, die rote Nase allerdings muss sein. Die verteilt er auch gern im Publikum und erzielt damit stets eine Wirkung: „Damit werden alle automatisch fröhlich!“
Sehr unterschiedliche Auftritte
Inzwischen mehren sich die sehr unterschiedlichen Auftritte bis hin zum Duett mit einer Kollegin im Gottesdienst auf der Präventionswoche „Suizid“ in Oldenburg. Besonders anrührend sei im Übrigen der Auftritt in „seinem“ Friedel-Orth-Hospiz auf der Geburtstagsfeier für einen Gast gewesen, denn diese 50-Jährige starb wenige Wochen danach.
Corona ist übrigens auch für Clown Pavel ein echtes Handicap, denn gerade ein Clown wie er, der eigentlich gar nicht für das Publikum sondern mit dem Publikum spielt, braucht den persönlichen Kontakt. Auf den hofft er nun aber am Samstag, 2. April, um 19 Uhr, denn da kommt er mit seinem selbst geschriebenen abendfüllenden Programm „Magic Alfredo – oder wehe, wenn der Hausmeister kommt“ in den jeverschen Lokschuppen.
