Jever - Die Dinge wiederholen sich: Für die vielen Angebote des Bürgervereins Jever besteht meist eine gute Nachfrage, bei den Pflichten aber duckt man sich weg. Den Bürgerverein ereilt diese Misere nun zum zweiten Mal in zehn Jahren. In einem Brandbrief an die Mitglieder hat jetzt Vorsitzender Hanspeter Waculik auf die andauernde Unterbesetzung des Vorstandes aufmerksam gemacht und die mögliche Konsequenz in den Raum gestellt: Auflösung. „So wie jetzt kann es nicht weitergehen“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion am Wochenende.
Stichtag: 23. Juli
Die Erfahrung, keine Nachfolger für die Vorstandsarbeit zu finden, musste schon die ehemalige Vorsitzende Silvia Jennerich machen: Sie blieb 2011 nach sieben Jahren kommissarisch im Amt, weil sich für sie zunächst kein Nachfolger fand. Nun trifft es ihren 2013 doch noch gewählten Nachfolger Hanspeter Waculik. Noch ist er regulär im Amt, und wenn sich in der Jahreshauptversammlung am Samstag, 23. Juli, kein Nachfolger für ihn findet, wäre er bereit, das Amt noch eine Weile kommissarisch zu verwalten. Sofern aber das Amt des Schatzmeisters im Juli vakant bleibt, droht die Auflösung des 1905 gegründeten Vereins mit seinen rund 1000 Mitgliedern. Das spricht Waculik in seinem Brief deutlich aus.
Grenze der Belastung
Zurzeit fehlen dem Vorstand „krankheitsbedingt oder durch Wegzug“ außer einem Kandidaten für den Vorsitz und einem für die Kasse ein stellvertretender Vorsitzender, ein stellvertretender Schatzmeister, sowie zwei Beisitzer. „Es ist zu viel Arbeit auf zu wenigen Schultern“, mahnt Waculik. Seine Ehefrau Heide, amtierende Vergnügungsleiterin, habe kommissarisch schon die Kasse übernommen. Aber er werde in diesem Jahr 76 Jahre alt. Die Grenze der Belastbarkeit ist für das Ehepaar erreicht. Auch die Waculiks wollen noch private Zeit für Haus und Garten haben. „Und einer muss nun mal die Finanzen machen“, stellt der Vorsitzende fest. Wenn das im Juli nicht geklärt werde, könne nur die Auflösung folgen. „Ich habe das Amt 2013 übernommen, um zu verhindern, dass dieser Verein den Bach runtergeht“, sagt Waculik. Inzwischen hätten etliche wichtige Vereine Nachwuchssorgen im Vorstand, und auch der Seniorenbeirat sei ja in dieser Lage. „Es geht auch bei uns großenteils um Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger.“
Programm reduziert
Die Mitglieder hatten es bisher ziemlich gut im Verein. Grillnachmittage, gemeinsame Essen, Gedächtnistraining oder Osterüberraschungen im Hospiz organisierten die Vorstandsmitglieder. Der Bürgerverein hat normalerweise auch Tagesausflüge und mehrtägige Reisen für seine Mitglieder auf die Beine gestellt, jetzt sind es nur noch Fahrten in die nähere Umgebung mit weniger als zwei Stunden Fahrtzeit. „Der Veranstaltungskalender ist in diesem Jahr sehr leer, da viele Veranstaltungen ausfallen“, erklärt der Vorsitzende. Jetzt weniger zu organisieren, verschaffe den verbliebenen Vorstandsmitgliedern etwas Luft.
Noch besteht die Möglichkeit, dass der Bürgerverein Jever seine Tradition zwischen Freizeitgestaltung und politischer Teilhabe fortsetzt. Aber im Juli muss dafür jemand Amt und Verantwortung übernehmen.
