Jever - Um das vor dem zweiten Lockdown abgefüllte und ausgelieferte Fassbier aufgrund des nahenden Mindesthaltbarkeitsdatums nicht sofort zurücknehmen und entsorgen zu müssen, haben viele Brauereien die Haltbarkeit ihrer Biere kurzerhand um zwei Monate verlängert – so auch das Friesische Brauhaus zu Jever. Neue Banderolen, neuer Datumsstempel, längerer Biergenuss – geht das so einfach?
Wir haben beim Friesischen Brauhaus nachgefragt. Die Antwortet lautet: Ja, das geht. Aber eine weitere Verlängerung über die zwei Monate hinaus ist nicht vorgesehen.
„Bei den im Herbst 2020 gebrauten Fassbieren liefen wir Gefahr, dass diese mangels Öffnungsperspektive das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreiten“, erklärt Ira Beckmann, Pressesprecherin des Friesischen Brauhauses, und wies auf einen wichtigen Punkt hin: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum.
Oft könnten Lebensmittel wie Bier noch viel länger einwandfrei genossen werden. Das sehe auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit so, das eine Umetikettierung unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
So müsse geprüft werden, ob die Lebensmittel sicher sind. „Das haben wir daher für die Rückstellproben der besagten Fassbier-Chargen geprüft, um unerwünschte Qualitätsabweichungen wie beispielsweise beim Geschmack zu vermeiden“, berichtet Ira Beckmann.
Wie lange ist die Mindesthaltbarkeit von Jever-Bier in Fässern?
Nachdem die Qualitätssicherung das Fassbier freigegeben hatte, konnte die Brauerei dann das Mindesthaltbarkeitsdatum dieser Fässer um zwei Monate verlängern.
Das seinerzeit in sogenannte Keg-Fässer abgefüllte Jever hatte eine Mindesthaltbarkeit von sechs Monaten. Zum Vergleich: Das in Flaschen abgefüllte Jever aus denselben Produktions – und Abfüllzeiten weist hingegen eine Mindesthaltbarkeit von neun Monaten aus. Und das, obwohl ein Fass aus qualitativer Sicht das bessere Gebinde für das Aufbewahren von Bieren darstellt, erläutere die Pressesprecherin weiter und nennt zwei wesentliche Vorteile des Fasses: Es ist luftdicht und schützt vor Lichteinfall. Licht und Luft: Zwei Kriterien, die sich negativ auf die Bierqualität auswirken können.
Warum werden Fässer nicht von vornherein mit einer längeren Mindesthaltbarkeit gekennzeichnet?
„Der Grund liegt in der Größe des Fass-Mehrwegpools und ist rein logistischer Natur“, sagt Beckmann. In Zeiten ohne Pandemiebeschränkungen sei das Brauhaus darauf angewiesen, dass die Fässer schnell zurückkommen, um diese wieder entsprechend der Nachfrage befüllen zu können. Beckmann: „Und dies erzielen wir mit einem rein aus logistischen Gründen kürzeren Mindesthaltbarkeitsdatum.“
Was ist mit dem Flaschenbier?
Bei den Jever-Flaschen habe die Brauerei keine vergleichbare Situation, da der Verkauf über den Handel und Getränkelieferdienste ja durchgängig möglich sei – unabhängig davon, dass eine Umetikettierung von bereits befüllten Flaschen über Abfüll- und Etikettieranlagen technisch nicht möglich sei, so die Brauhaus-Sprecherin.
Aufgrund der nun beschlossenen Lockdown-Verlängerung bis Mitte April sei allerdings nicht auszuschließen, dass trotz verlängerter Mindesthaltbarkeit in einigen Wochen trotzdem Bier entsorgt werden muss. Alternativen dazu gibt es aus Sicht der Brauerei dann nicht.
Ist eine Selbstabholung durch den Privatkunden möglich
Nein, eine Selbstabholung ab Brauerei ist leider nicht möglich. Ira Beckmann liefert die Begründung, warum ein Weiterverkauf der Spezialfässer für die Gastronomen an Endverbraucher nicht umzusetzen ist. Zum einen seien die Keg-Fässer viel zu groß für den Hausgebrauch, insbesondere in Zeiten von Kontaktbeschränkungen.
Zudem seien spezielle Anlagen notwendig, um sie anzapfen zu können. Nur wenige Haushalte besitzen diese erforderliche Zapfanlage. „Nicht zuletzt müsste zunächst eine Logistikkette samt Rücknahmesystem zwischen den Brauereien über Zwischenlager bis in den Handel und retour aufgebaut werden“, erläutert Ira Beckmann. Das würde viele Wochen in Anspruch nehmen für eine Verpackungsform und -größe, die jedoch bei normalen Haushaltsgrößen wohl nur auf geringe Nachfrage stoßen dürfte.
Dies würde aus Sicht des Friesischen Brauhauses auch für einen Direktverkauf ab Brauerei am Elisabethufer samt Rücknahme vor Ort gelten. „Denn auch ein solcher Schritt müsste erst aufwendig und personalintensiv organisiert werden – für eine Situation, die hoffentlich nicht von Dauer ist.“
Wie wird das Bier entsorgt?
Auch eine Bier-Abgabe an Privatpersonen, die selbst Behälter mitbringen, werde die Jever-Brauerei nicht anbieten, „da wir uns als Lebensmittel produzierender Betrieb über die ohnehin strengen Hygienerichtlinien selbstverständlich auch an die Corona-Schutzvorschriften halten. Ein Ausschank in dieser Form ist damit leider auch in zwei Monaten nicht möglich. Wir müssen das Bier dann entsorgen“, berichtet Ira Beckmann. Entsorgen bedeutet konkret, dass Fassbier – nach vorheriger behördlicher Anmeldung – kontrolliert ins Abwasser geleitet wird. Ein in der Branche üblicher Weg, so auch beim Friesischen Brauhaus zu Jever.
