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Erntebilanz Sorgen und Nöte der Landwirte in Corona-Zeiten

Malte Kirchner

Jever/Friesland - Mal ist das Jahr zu trocken, mal zu nass, mal plagen die Mäuse und mal sind die Tiere krank. Dass jedoch ein Menschenvirus stark in das Alltagsleben der Landwirtschaft hineinwirkt – das hat es in den vergangenen Jahrzehnten nie gegeben.

Beim jährlichen Zusammentreffen von Kreislandvolk und Landkreisverwaltung in Jever war am Freitag das Coronavirus gleich in mehrerlei Hinsicht Thema. Schon die geringere Größe der Delegation des Landvolks und die Sicherheitsabstände im Kreissaal deuteten auf die besonderen Umstände hin.

Corona drückt Preise

Kreislandwirt Hartmut Seetzen berichtete auch von wirtschaftlichen Folgen. So seien die Preise der Produkte nicht so, wie sie eigentlich sein könnten. Der Ausfall von Exporten und die sinkende Nachfrage der Gastronomie seien deutlich spürbar. Der ohnehin nicht hohe Milchpreis habe um drei Cent nachgegeben. „Diese drei Cent fehlten zum einigermaßen vernünftigen Wirtschaften“, so Seetzen.

Das Wetterproblem

Dazu kommen Sorgen und Nöte, die die Landwirtschaft schon vor Covid-19 hatte, allen voran der massive Mäusebefall mit Schäden im Grünland und die Dürre des Jahres 2019, die einen Futterzukauf im Winter erforderlich machte.

Das Jahr 2020 lief wettermäßig erfreulicher. Nach einem gefühlt sehr feuchten Winter wurde es ab März wieder sehr trocken, was Befürchtungen nährte, dass ein erneuerter Dürresommer bevorsteht. Mit dem Regen im Mai kam Erleichterung, so Seetzen. Dabei sei es Friesland besser ergangen als anderen Teilen des Landes. Bei der bevorstehenden Maisernte erwarten die Bauern „sehr gute Erträge“.

Ärgernis Mäuseplage

Die Mäuseplage des Jahres 2019 war neben den Schäden vor allem bürokratisch „eine harte Nuss“, wie Jens Eden vom Landkreis berichtete. Das Land hatte im Februar einen Erlass herausgegeben, um betroffene Landwirte zu unterstützen. Die Abwicklung gestaltete sich aufwendig. Da sei man in Friesland im direkten Miteinander effizienter unterwegs, so der einhellige Tenor.

Akute Konfliktthemen zwischen Landwirtschaft und Landkreis gibt es aktuell nicht. Das Regionale Raumordnungsprogramm und der dafür nötige Landschaftsrahmenplan sind abgearbeitet, berichtete Kreisbaudezernent Dr. Martin Dehrendorf.

Gäbe es nicht die neu aufgekommene Afrikanische Schweinepest in Ostdeutschland (siehe Artikel unten), gäbe es auch in Sachen Tierseuchen wenig Anlass zur Sorge, so Dr. Norbert Heising, Leiter des Veterinäramtes JadeWeser. Seuchen wie die Blauzungenkrankheit seien deutschlandweit auf dem Rückzug.

80.000 Unterschriften

Ellen Kromminga-Jabben berichtete namens der Kreislandfrauen von der erfolgreichen Unterschriftenaktion zugunsten einer Ausweitung der Brustkrebsvorsorge für Frauen bis zu einem Alter von 75 Jahren. Angesichts von 80 000 Unterschriften, die deutschlandweit gesammelt wurden, könnte das Anliegen nun am 7. Dezember im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages vorgetragen werden.

Kein Brüllmarkt

Schlussendlich noch ein Corona-Sonderfall: Normalerweise wird die Erntekrone, die gestern im Kreisamt aufgehängt wurde, am Tag des Brüllmarktes zum Alten Markt getragen. Doch der fällt wegen Corona aus.

Was nun? Landvolk und Landrat waren sich gestern einig, dass die Krone trotzdem zum Marktplatz gebracht werden soll. So viel Tradition muss sein.

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