Jever - Wo in Jever das Haus steht, in dem das Sterben ebenso alltäglich ist wie die Lebensfreude, wissen die meisten Jeveraner. An diesem Donnerstag vor zehn Jahren hat die Mission Lebenshaus gGmbH das Friedel-Orth-Hospiz eröffnet, und für die Menschen hier war es gleich eine gute und wichtige Adresse. Die Gäste des Hospizes, kranke Menschen ohne langfristige medizinische Perspektive und Lebenserwartung, bewahren auf den letzten Metern ihres Lebensweges ihre Würde bis zum Schluss. Spenden sind hier gut angelegt, ehrenamtliche Arbeit ist gut investiert.
„Zur Eröffnung war es noch eine Baustelle, der Garten nicht angelegt“, erinnert sich die stellvertretende Hospizleiterin Regina Grimm mit einem Blick auf die parkähnliche Anlage. Mit Pflegefachkraft Sabine Janßen, die vor zehn Jahren im Hospiz anfing, Hospizleiter Dirk Ebens (seit Mai 2020 dabei) und Pressesprecherin Kim Gesine Friedrichs, die seit fünf Jahren zum Team gehört, blickt Grimm zurück.
Der Start
Irene Müller als Pflegedienstleiterin hatte schon Monate vor der Eröffnung den ersten Arbeitsvertrag unterschrieben. Sie hat die Mission Lebenshaus Ende Mai als Geschäftsführerin verlassen und das Hospiz bis dahin positiv geprägt. „Wir mussten am Anfang noch alles Schriftliche mit der Hand machen“, erzählt Sabine Janßen und schmunzelt. Schnell folgte die Digitalisierung. Bereits am 27. Juni zog der erste Gast ein, die erste von 1434 Aufnahmen in zehn Jahren. So viele Menschen haben in der Mühlenstraße zur Ruhe kommen und dank der Palliativmedizin auch schmerzfrei ihre letzten Tage und Monate verbringen können. Eingebettet in einen Alltag voller Verständnis für die seelische Ausnahmesituation des Sterbens.
Bis heute sei keiner vergessen, sehr bald nach der Eröffnung, hätten sich im Hause Rituale des Gedenkens entwickelt, sagt Regina Grimm. Es gibt Gottesdienste, einen Raum der Stille, Hinterbliebene werden mit ihrer Trauer nicht alleingelassen. Eine ehrenamtliche Seelsorgerin steht bereit, demnächst nimmt ein hauptamtlicher Seelsorger seine Tätigkeit auf. Auch die Mitarbeiter bedürfen manchmal der Begleitung. Einmal habe es in einem Monat 25 Ein- und Auszüge gegeben. Jeder letzte Weg sei einzigartig und individuell. „Hier stumpft keiner ab, auf keinen Fall“, stellt Grimm fest. Manche sterben direkt nach dem Einzug, andere bleiben Wochen oder ein Jahr. „Wir wünschen uns, dass sie lang genug bleiben, damit wir verstehen, wie wir ihnen den Aufenthalt angenehm gestalten können“, erläutert Sabine Janßen.
Der 17-jährige schwerkranke Joshua zog 2011 ein und blieb ein Jahr bis zu seinem Tod. Mit einer Artikelserie begleitete Wochenblatt-Redakteurin Cornelia Lüers ihn auf seinem Weg – die öffentliche Aufmerksamkeit war groß, das Kinder- und Jugendhospiz wurde nach ihm benannt.
Ehrenamtliche Helfer
Bereits vor zehn Jahren zeichnete sich die Bedeutung ehrenamtlicher Mitarbeiter ab. Rund 30 Ehrenamtliche sind im Hospiz neben den etwa 30 Festangestellten tätig. Sie decken einen Teil der Sterbebegleitung und hauswirtschaftliche Tätigkeiten ab – so in der Wohnküche, die ein Ort der Begegnung ist. „Es ist wichtig, dass in der Wohnküche immer jemand ist, der sich kümmert und für Gäste und Besucher da ist“, erklärt Regina Grimm. Ehrenamtliche begleiten die Gäste bei Ausflügen oder beim Rundgang im Garten. Dirk Ebens: „Während der Pandemie konnten die Familien immer zu uns kommen, aber die Ehrenamtlichen mussten zeitweise zu Hause bleiben“. Schnell habe man gemerkt, wie sehr ihre fleißigen Hände fehlten. Jetzt seien sie wieder dabei.
Breite Unterstützung gibt es aus der Bevölkerung, Hunderte nehmen alle zwei Jahre am Hospiz-Spendenlauf teil. Zweimal ist der Hospizlauf schon in Jever über die Bühne gegangen, am kommenden Samstag ist es wieder soweit. Einige Läufer seien noch auf der Suche nach Sponsoren, weiß Friedrichs.
Der Förderverein Friedel-Orth-Hospiz steht unerschütterlich für fünf Prozent der monatlichen Betriebskosten. „Wie die Jeverländer hinter dem Friedel-Orth-Hospiz stehen, das war das erste, was mir auffiel, als ich vor fünf Jahren hier anfing“, sagt Kim Friedrichs. So seien die Sommerfeste mit offener Tür – außerhalb der Pandemie – gut besucht.
Letzte Wünsche
„Hier sterben Menschen, aber es ist deshalb kein schwarzer Fleck, es wird auch gelacht, viele Menschen staunen, wenn sie hier hereinkommen“, sagt Dirk Ebens. Sabine Janßen fügt hinzu: „Ich habe oft gehört: Wenn wir gewusst hätten, wie schön das hier ist...“ Im Friedel-Orth-Hospiz werden letzte Wünsche erfüllt, Musiker, Schriftsteller, ein prominenter Fernsehkoch und bekannte Politiker wie Dr. Henning Scherf haben das Haus und seine Gäste schon besucht. Aber auch für die Fortbildung wird viel getan – Jever ist bereits zweimal Tagungsort für den Hospiz- und Palliativtag mit Vorträgen und Diskussionen für Fachpersonal gewesen.
