Jever - In den vergangenen Jahren hat sich die Haupt- und Realschule Jever hartnäckig geweigert, ein Ganztagsangebot einzurichten. Doch mit Beginn des nächsten Schuljahres wird sich dies - und einiges mehr - ändern, denn die HRS Jever wird Oberschule.
Mit offenen, also freiwilligen Ganztagsangeboten sei kein sinnvoller Schulbetrieb möglich, erklärte Schulleiter Wolfgang Niemann-Fuhlbohm gestern. Als Oberschule aber erhält die Schule zusätzliche Lehrerstunden für qualifizierten Nachmittagsunterricht.
Deshalb werde es im Schuljahr 2012/13 für den neuen fünften Jahrgang, den ersten Oberschul-Jahrgang, ein verbindliches Ganztagsangebot an zwei Nachmittagen die Woche erarbeitet. Außerdem soll es an einem weiteren Nachmittag ein offenes Angebot geben, erklärten Niemann-Fuhlbohm und Bettina Vogt von der Planungsgruppe Oberschule. Das Mittagessen können die Schüler gemeinsam mit den Grundschülern der benachbarten Paul-Sillus-Grundschule im Foyer des Theater am Dannhalm einnehmen. Aber schon für 2013 hofft Niemann-Fuhlbohm auf eine eigene Mensa.
Zum Start der Oberschule rechnet er mit 50 bis 60 Fünftklässlern. Da der Klassenteiler bei 28 liegt, hofft Niemann-Fuhlbohm auf mindestens 57 Schüler, denn dann könnte der erste Oberschul-Jahrgang dreizügig gefahren werden.
Geplant sind zwei Schwerpunktklassen - eine für Musik, eine für Sport. Die beiden Fächer sollen mit jeweils vier statt der vorgeschriebenen zwei Stunden unterrichtet werden. Eine eventuelle dritte Klasse bliebe sozusagen neutral.
In den Jahrgängen 5 und 6 sollen die Oberschüler gemeinsam unterrichtet werden, um die Bildung der Klassengemeinschaft zu fördern. Ab Klasse 7 ist für die Fächer Englisch und Mathematik eine Differenzierung nach Kursen vorgesehen. In Klasse 8 kommt Deutsch hinzu. Für Klasse 9, so Bettina Vogt, ist eine Profilbildung geplant, um die Schüler aufs Berufsleben oder auf den Besuch weiterführender Schulen vorzubereiten. Dies ist allerdings noch Zukunftsmusik, denn die Oberschule wächst Jahr für Jahr auf, während die jetzigen Haupt- und Realschulklassen gleichsam ausgeschlichen werden.
Unter Eltern offenbar kursierende wilde Gerüchte über die Qualität der Oberschule wies Fuhlbohm zurück. Der Unterricht orientiere sich am Realschul-Lehrplan. Dem Leistungsniveau der Schüler entsprechend sei bei den gemeinsam unterrichteten Fächern eine klasseninterne Differenzierung vorgesehen. Das stelle eine große Herausforderung für das Kollegium dar. Im Übrigen blieben die bisherigen Abschlüsse - Hauptschul-, Realschul- und erweiterter Sekundarstufe-I-Abschluss - auch in der Oberschule erhalten.
Am Freitag, 20. April, 15 bis 18 Uhr, können Eltern und Kinder bei einem Schnuppertag die künftige Oberschule kennen lernen. In der zweiten Mai-Woche gibt es zusätzlich Info-Abende für Eltern an den drei Grundschulen in Jever.
Neben der Oberschule bereitet sich die HRS Jever noch auf eine andere Neuerung vor: auf die Namensgebung. Die Zustimmung des Kreistages am morgigen Mittwoch vorausgesetzt heißt die Schule künftig Elisa-Kauffeld-Oberschule. Die feierliche Enthüllung des Namenszuges ist für Mitte Juni geplant. Auch die Namensgeberin, die Friedensaktivistin Elisa Kauffeld aus Sillenstede, wird dazu erwartet.
