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Erfahrungen aus FSJ Im Hospiz Jever hat sich ihr Blick aufs Leben geändert

Henning Karasch

Jever - Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das die Friedeburgerin Sophie Aukes im Friedel-Orth-Hospiz Jever absolviert hat, neigt sich dem Ende entgegen. „Es war ein prägendes Jahr für mich“, sagt die 20-Jährige. „Das FSJ hat meinen Blick auf die Wichtigkeit der Dinge verändert. Ich kann die Gesundheit von Familie und Freunden nun noch besser wertschätzen. Meine mentale Belastbarkeit wurde gestärkt.“

Voraussetzung: empathisch sein

Sophie Aukes ist, wie sie sagt, nicht mehr der gleiche Mensch wie vor einem Jahr. Vorher sei sie sensibler gewesen, habe das in den Griff bekommen. „Im Hospiz muss man empathisch sein. Jeder Gast bringt seine oder ihre eigene Geschichte mit, hat individuelle Bedürfnisse“, stellt Sophie Aukes fest. Man brauche Offenheit, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Sie freuten sich, wenn man mit ihnen spräche, und sei es nur übers Wetter. Mit mobilen Gästen ist die 20-Jährige etwas spazieren gegangen und hat mit ihnen auf der Terrasse Tee getrunken.

Entscheidung für FSJ bewusst getroffen

Sophie Aukes entschied sich nach dem Abitur an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Wittmund bewusst für das FSJ im Hospiz. „Ich wollte etwas machen, bei dem ich über mich hinauswachse, an meine Grenzen komme und was fürs Leben lerne.“ Das habe im Rückblick gut funktioniert. Als Jüngste von vier Geschwistern habe sie zu Hause viel geholfen. Zudem kellnerte sie, seit sie 16 Jahre alt ist. Was lag da näher als eine Tätigkeit im hauswirtschaftlichen Bereich des Hospizes? „Die Wohnküche ist der Dreh- und Angelpunkt hier. Man kommt mit Gästen und ihren Angehörigen gut in Kontakt. Die Mitarbeitenden nahmen mich liebevoll und offen auf. Bei Problemen konnte ich immer mit ihnen sprechen“, ermutigt Sophie Aukes eine mögliche Nachfolgerin oder einen möglichen Nachfolger.

Nachfolger oder Nachfolgerin gesucht

„Die Mission Lebenshaus sucht für das Friedel-Orth-Hospiz zum 1. August oder 1. September junge Menschen, die ein FSJ machen möchten“, sagt Kim Friedrichs vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Sophie Aukes sei die elfte FSJlerin gewesen. Sieben Männer und vier Frauen haben seit Eröffnung des Hauses ein Jahr ihres Lebens hier den Alltag miterlebt. „Ein Teil von ihnen machte im Nachgang eine Ausbildung in der Pflege“, berichtet Kim Friedrichs.

Das allerdings kann sich Sophie Aukes nicht vorstellen, nachdem sie zwei Tage lang dort Einblicke erhielt. Sie möchte jedoch mit Menschen arbeiten, weshalb sie ein duales Studium soziale Arbeit und zugleich Ausbildung im Jugendamt des Landkreises Wittmund antreten wird.

Seminare als Teil des FSJ

Das FSJ wird mit 420 Euro im Monat vergütet. Von den fünf Seminaren bei der Diakonie Bremen mussten drei Corona-bedingt online stattfinden. „Am Computer kamen da leider keine Kontakte mit anderen FSJlerinnen und FSJlern zustande.“ In den Seminaren ging es um politische Bildung, Nachhaltigkeit, Reflexion und die Vorstellung der Einsatzstellen. „Als kleines Projekt habe ich ein Buch mit Geschichten zum Vorlesen gestaltet, die immer gut ankamen.“ Denn die Gäste freuten sich immer, wenn sie bei ihnen war. „Es gibt dem Haus so viel, wenn junge Menschen als Ansprechpartner da sind“, fügt Kim Friedrichs hinzu.

Ihre Erlebnisse im Hospiz trennte Sophie Aukes von ihrem Privatleben, ging zum Sport und redete mit ihrer Familie und ihren Freunden. „Für Mitarbeitende gibt es Supervision und Seelsorge. Wir möchten niemanden mit ihren Gedanken alleinlassen“, verspricht Kim Friedrichs.

Das Fazit von Sophie Aukes fällt jedenfalls eindeutig aus: „Das Hospiz ist nicht immer ein trauriger Ort. Hier wird gelacht und gesungen, sodass man nicht mit einem schlechten Gefühl hineingehen muss“.

Mehr Infos: hospizjever.de oder info.jever@mission-lebenshaus.de

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