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Porträt „Im Prinzip kann ich alles tun und lassen“

Jever - Anfang des Jahres ging bei Hermann Lüers das Telefon. „Ein Mann fragte: ,Muss ich mein Haus verkaufen, wenn ich bei Ihnen ein Buch drucken lassen will?‘. Ich konnte ihn in dieser Hinsicht beruhigen“, berichtet Hermann Lüers mit einem Lächeln. Der Verlag Hermann Lüers in Jever hat einen guten Ruf. Seit der erfahrene Schriftsetzerlehrmeister ihn vor ziemlich genau 40 Jahren gründete, hat er mehr als 100 Bücher verlegt. Und auch jetzt, mit 88, ist Lüers ein begeisterter „Büchermacher“. Er betont: „Büchermacher, nicht Buchmacher, das ist etwas anderes“.

Sohn eines bremischen Binnenschiffers

Hermann Lüers ist so sehr vom Fach, wie man es nur sein kann. Jedes Manuskript, das zum Buch werden soll, ist bei ihm in den besten Händen. Dabei stammt er nicht aus einer Verlegerfamilie. Lüers wurde 1933 als Sohn eines Binnenschiffers in Thedinghausen nahe Bremen geboren. Anstelle eines Berufslebens auf dem Wasser entschied er sich für die „Schwarze Kunst“ und trat eine dreijährige Ausbildung zum Schriftsetzer in der heimischen Druckerei „Gutenberg-Werkstätten“ an. Ein Berufsjahr in Bad Schwartau und ein Jahr in Karlsruhe folgten, bis er in Kiel zum Lehrmeisterlehrgang an der Muthesius-Werkschule antrat.

1959 bewarb er sich beim Mettcker-Verlag, wo ein Nachfolger für Betriebsleiter Hermann van der Heide gesucht wurde. Er wurde eingestellt und übernahm 1963 van der Heides Position. Bis 1997, als er in den Ruhestand wechselte, blieb Hermann Lüers Chef der Druckerei in Jever und hatte damit die Personalverantwortung für 80 Mitarbeiter und den technischen Betrieb.

Damals wurden bei Mettcker außer Zeitungen auch Bücher, Karten und Büropapiere bis hin zur Visitenkarte gedruckt. Es gab immer zu tun, und für Abwechslung war gesorgt. „Ich hatte viel mit Autoren zu tun, die hier ihre Bücher drucken lassen wollten. Aber manchmal war dem Verlag das Risiko zu groß“, erzählt Lüers. Um diese Autoren kümmerte er sich ab Februar 1982 nebenberuflich persönlich – im Verlag Hermann Lüers.

Autor und Buchprofessionell begleiten

Der Einband und die Papierqualität sind noch vergleichsweise einfache Beratungsthemen, wie aber fallen die Zeilen von Seite zu Seite, welche Schrift ist geeignet, wie kommt das Buch schließlich in den Handel? Hermann Lüers begleitet Autor und Buch durch diesen Prozess. Heute gibt es zwar den Bleisatz nicht mehr, aber die Notwendigkeiten für ein Produkt auf hohem technischen Niveau gelten auch im digitalen Zeitalter – der Jeveraner ist Rentner und Verleger zugleich und hat noch viele Ideen für interessante Buchprojekte. Die Wirtschaftlichkeit der Veröffentlichungen sichert das Konzept der Autorenbeteiligung an den Druck- und Produktionskosten.

Die Bücher seines Verlags wurden zunächst bei Mettcker gedruckt, mittlerweile realisiert er sie mit der Druckerei Kasper in Jever.

Heimatkundliches, Plattdeutsches, Romane, Lebenserinnerungen, die Gedichte des verstorbenen Ehemannes und Geschichtswerke sind im Verlag Hermann Lüers mit Sitz in der privaten Wohnung erschienen. Vom reich bebilderten Prachtband über wegweisende Recherchen zur Nazi-Vergangenheit der Region bis hin zur eher dünnen Rezeptsammlung für Fischgerichte findet sich alles: Erlebtes, Gehörtes und Gesehenes. Aber auch Kalender-Bummel mit historischen Ansichten von Jever, Schortens und Sande oder Abitur-Jahrbücher gehören zum Verlagsprogramm. „Oft haben Menschen, die mit ihrem Wunsch zu mir kommen, lange gespart, um beispielsweise ihre Lebenserinnerungen gedruckt der Nachwelt zu hinterlassen“, sagt der Verleger.

Er nehme jedes Projekt ernst, wenn er auch nicht immer verhindern könne, dass sich ein Titel gar nicht gut verkaufe. Die kreative und zugleich handwerkliche Herausforderung an den Büchermacher nimmt er gern an. „Im Prinzip kann ich alles tun und lassen, wenn es der Autor mitträgt“, stellt Lüers fest. Zu den Büchern, an deren Planung und Produktion Hermann Lüers besonders gern zurückdenkt, sind zum Beispiel „Die Luftverteidigung im Abschnitt Wilhelmshaven 1939–1945. 2. Marineflakbrigade“ von Friedrich August Greve und „Inselheim Rüstringen Wangerooge“ zu zählen. Und „Allerlei Friesisches zwischen Buchdeckeln: Gedichte und Prosa mutiger Autoren“ von Dr. Remy Petri oder „Maria von Jever“ von Dr. Wolfgang Petri. Natürlich die Geschichtswerke von Holger Frerichs.

Stolz auf dengelehrigen Autor

„Das ist ein Autor, dem ich so viel übers Büchermachen beibringen konnte, dass er heute fertige Druckvorlagen selbst erstellt“, sagt Lüers stolz.

Weitergegeben hat er seine Liebe zum Druck an zwei seiner drei Kinder. Sein Sohn Clemens ist zwar in der Versicherungsbranche tätig, aber Sohn Kai-Uwe ist als Diplom-Ingenieur für Druckereitechnik und langjähriger technischer Betriebsleiter bei Brune-Mettcker in die Fußstapfen des Vaters getreten. Und Lüers’ Tochter Katja ist Diplom-Biologin und Journalistin.

Christoph Hinz
Christoph Hinz Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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