JEVER - Er mimt den alten Mann, heischt selbstironisch um Mitgefühl als 'dicker Greis', um gleich darauf wie ein reaktionäres Rumpelstilzchen auf der Bühne zu toben, zu sprechen, zu singen. Nein, Wolf Biermann ist nicht leise. Auch – oder erst recht – nicht mit 81 Jahren.

Der lebenskluge Barde mit dem charakteristischen Bart strotzt vor Energie, schleift seine Wörter, die schärfer sind als Waffen. In seinen Versen gibt es kein Zuschauen, große Brüste und Menschen, die man nicht mag, sondern ein Glotzen, Titten und Arschlöcher. Ab und an blitzt zwischen den derben Zeilen sarkastischer Humor, Witz, ja fast so etwas wie Zärtlichkeit auf. Der kleine Biermann ist noch immer groß.

Davon konnten sich die etwa 120 Besucher am Montagabend im Lokschuppen überzeugen, die der Einladung der Fresenia-Loge Jever zum Auftakt ihrer neuen Reihe 'Persönlichkeiten zu Gast in Jever' gefolgt waren, um ihn einmal live zu erleben, den einstigen Brecht-Schüler mit dem aufrechten Gang und den Protest-Parolen auf der Zunge.

Cornelia Lüers
Cornelia Lüers Gesamtredaktionsleitung, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung