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Geschichte des Treffpunkts Jugendzentrum Jever feiert 40-jähriges Bestehen

Jever - 40 Jahre: In dem Alter könnte man ja auch in die „midlife crises“ kommen, überlegt Jevers Stadtjugendpfleger Detlef Berger – und blickt dabei auf den bevorstehenden runden Geburtstag des Jugendzentrums. Doch von einer Krise im Jugendzentrum (JUZ) keine Spur, mal abgesehen von der Coronakrise. Die verhindert allerdings nicht, dass die Jugendarbeit auch jetzt weitergeht. Denn nach wie vor ist eben diese Arbeit wichtig, „vor 40 Jahren genau wie heute“, betont Berger.

1980 ist das Jugendzentrum in Jever eingerichtet worden, damals im alten Bahnhofshotel. „Zehn Jahre hat es dauert, nun ist es endlich soweit“, stand am 14. November 1980 im Jeverschen Wochenblatt. „Jevers Jugendliche bekommen ihr Jugendzentrum, in dem sie ungezwungen zusammenkommen und gemeinsam ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen können.“

Innerhalb von rund drei Monaten ist das Bahnhofshotel damals umgebaut worden. Für diesen Treffpunkt musste zuvor aber erst „gekämpft“ werden. „Ende der Sechzigerjahre sind viele junge Menschen auf die Straße gegangen, haben darauf aufmerksam gemacht, dass sie keinen Platz haben, an dem sie sich treffen können. Und in den Siebzigern ist das dann auch hier rübergeschwappt“, erinnert sich Detlef Berger. Er selbst ist seit 1995 Stadtjugendpfleger in Jever und löste damals Wilfried Hoppe ab. „Die Jugend hat Räume für sich gefordert, es fanden Demos statt, eine spannende Zeit“, meint Berger.

„Interessengemeinschaft Jugendzentrum“

Tatsächlich hatte sich 1977 die „Interessengemeinschaft Jugendzentrum“ gebildet. Mehrere Gebäude standen zur Diskussion, unter anderem hatte die damalige Verwaltung vorgeschlagen, die Möhlmannsche Fabrik im Grünen Garten zu kaufen und für die Jugendlichen umzubauen. Das scheiterte jedoch am Geld und am Protest der Anwohner. Im April 1979 kam dann zum ersten Mal das Bahnhofshotel ins Gespräch. Im November wurde der Umbau dann eigentlich schon beschlossen – allerdings gab es Schwierigkeiten beim Genehmigungsverfahren, was die Fertigstellung wiederum hinauszögerte.

„Die Gesamtkosten für den Umbau einschließlich der Planungskosten und der Ersteinrichtung, jedoch ohne den Ankauf des Gebäudes mit Grundstück, liegen bei 510 000 DM“, stand 1980 im Jeverschen Wochenblatt. „Das Land Niedersachsen und der Landkreis Friesland bezuschußten das Haus jeweils mit 98 000 Mark.“

2004 ist dann die neue Jugendherberge am Dr. Fritz-Blume-Weg gebaut worden. Blume hatte mit einer großen Spende maßgeblich zur Umsetzung beigetragen. „Und dann war es möglich, dass im Rahmen dieses Baus auch ein neues Jugendzentrum entstehen konnte, direkt am Kopf der Jugendherberge“, erinnert sich Berger. „Es war ein Kampf, aber viele unserer Wünsche wurden dann auch umgesetzt.“ Der Neubau war zwar etwas steril und vor allem im Gegensatz zum alten Bahnhofshotel eine Umstellung. Doch nach und nach haben sich die Jugendlichen eingerichtet.

Doch auch wenn sich der Standort und das Aussehen des Jugendzentrums, heute heißt es Jugendhaus, in 40 Jahren geändert haben, einiges sei doch gleich geblieben, sagt Berger. So hätten schon im ehemaligen Bahnhofshotel immer wieder Reisende nach einer Unterkunft gefragt, als Nachbarn einer Jugendherberge seien solche Anfragen für die JUZ-Mitarbeiter immer noch Alltag. Doch das sei nur eine amüsante Begleiterscheinung, wichtig sei etwas ganz anderes: „Die Jugendlichen brauchen immer soziale Kontakte und einen Ort, an dem sie die halten können.“ Egal ob 1980, 1995 oder 2020. Die Interessen würden sich zwar immer mal ändern, und so stehe heutzutage das Digitale im Vordergrund. „Doch das heißt noch lange nicht, dass Jugendliche keine sozialen Kontakte brauchen. Das haben wir jetzt in der Coronakrise gemerkt.“ Denn als das JUZ nach der vorübergehenden Schließung wieder öffnen konnte, seien alle sehr erleichtert und froh gewesen.

Und noch etwas habe sich nicht geändert: „Die Jugendlichen brauchen nach wie vor Erwachsene, mit denen sie vertrauensvoll reden können. Und zwar welche, die nicht gerade die eigenen Eltern oder Lehrer sind“, so Berger. Er selbst und sein Team – das sind neben Marco Rühle auch Dagmar Assing und Jennifer Rieken – sind immer für die Jugendlichen da. „Unsere Arbeit ist Beratungsarbeit in vielen Bereichen. Ob Drogen, Obdachlosigkeit, Schwangerschaft, es gibt wenig, über das wir hier noch nicht gesprochen haben.“ Dem Stadtjugendpfleger ist es wichtig, den jungen Menschen einen Tipp fürs Leben geben zu können. „Im JUZ kann man seine Freizeit verbringen, doch es geht auch um Lebensbewältigung, darum, das Leben in der Gesellschaft zu lernen.“ Wobei deutlich werde, dass die Jugendlichen weniger freie Zeit als früher hätten, fügt Dagmar Assing hinzu. „Zum Beispiel durch die Ganztagsschulen ist der Freizeitbereich schon kleiner geworden“, sagt sie.

Und dabei sei gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit, die Arbeit im Jugendzentrum wichtiger denn je, findet auch Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers. „Wir müssen den jungen Menschen zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben.“ Detlef Berger und sein Team hätten deshalb dafür gekämpft, dass das Jugendhaus trotz Coronakrise wieder öffnen und eine Veranstaltung wie Rock am Schloss stattfinden kann. „Das hat funktioniert – und deshalb freue ich mich auch, dass der 40. Geburtstag gefeiert werden kann.“

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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