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Rätsel um Stahltank gelöst Kleiß versorgte Region mit Petroleum

Jever - Wie ist der alte Tank am Bahnübergang Sophienstraße/Moorweg unter die Erde gekommen, der Anfang Juni bei Erdarbeiten ans Tageslicht kam? Diese Frage haben wir unseren Lesern gestellt, als wir über den Fund berichteten – der Umstand, dass der Tank genietet und nicht geschweißt war, deutete darauf hin, dass er um 1900 oder davor hergestellt wurde. Er war zum Fundzeitpunkt mit Sand verfüllt und offenbar vorher gründlich gereinigt worden, wie das Bauamt berichtete. Trotzdem stank es streng nach Treibstoff, als das Stahlbehältnis auftauchte.

Die Stadt Jever hat das Relikt mittlerweile gehoben und entsorgt, Hans-Wilhelm Schaus vom Bauamt bestätigte, dass der Umgebungssand keine nennenswerte Belastung aufwies und nach einer Zwischenlagerung zurück in die Baugrube konnte. Inzwischen steht mit großer Wahrscheinlichkeit fest: Der Geruch von Petroleum ist dort aufgestiegen. Doch zunächst zu den Leserhinweisen.

Leserhinweise:

Ehnste Lauts

 Ehnste Lauts aus dem Wangerland rief in der Redaktion an und gab den Tipp, dass die Firma Jaritz in diesem Teil des einstigen Bahnhofsareals mit Kohlen gehandelt habe. „Ich war dort oft als Kind, weil meine Eltern mit den Inhabern befreundet waren“, erinnert sich der 87-Jährige. Er könne sich vorstellen, dass das Unternehmen auch einen Tank für Heizöl gehabt habe.

Stephan Lutz

Stephan Lutz aus Jever, seit seiner Kindheit fasziniert vom Bahnhofsgelände, schickte ein Foto, das er 1986 gemacht hat – er vermutete zunächst, es handle sich um den Tank für die Zapfsäule am Busdepot. Doch er verwarf seine Theorie kurz darauf selbst, nachdem er den Fundort und die Lage des Busdepots abgeglichen hatte: „Die Fundstelle des Tanks ist viel näher an der Straße als gedacht. ,Meine‘ Zapfsäule für die Betankung der Busse in den 80er-Jahren lag bei diesem einen der beiden damals noch vorhandenen Gebäudekomplexe am westlichen Ende, der jetzt aufgefundene Tank am östlichen.“ Auch Lutz tippt nun auf den Kohlenhandel Jaritz.

Axel Ponath

Von Axel Ponath aus Hooksiel kam der telefonische Hinweis auf die Firma J. C. Kleiß am Markt in Jever (heute OLB) und auf einen Artikel von Dr. Karl Fissen darüber im Historienkalender aus dem Jahr 1964. Fissen lässt den 85-jährigen Kaufmann August Janssen aus seiner Zeit als Angestellter bei Kleiß von 1897 bis 1900 erzählen. In dem Artikel heißt es: „Die Firma J. C. Kleiß versorgte einst die Stadt, Jeverland und Ostfriesland mit Petroleum. Sie hatte die Vertretung der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft. Über Horumersiel wurde es zu Schiff in Barrel herangebracht. Von dort holte Kleiß es am anderen Morgen im Kesselwagen ab für seinen 50 000-Liter-Tank am Bahnhof. Mit drei Gespannen vertrieb die Firma es von dort in der Stadt und auf dem Lande bei den Kaufleuten.“ Denn Petroleum gab es um die Jahrhundertwende in jedem Kolonialwarenladen. Die Menschen brauchten es für die Beleuchtung ihrer Häuser. Elektrisches Licht wurde zu der Zeit in Jever gerade erst eingeführt.

Dass der Heizstoffhändler Jaritz in den 1940er- oder 1950er-Jahren Depot und Tank von Kleiß übernahm, ist nicht belegt, aber wahrscheinlich.

Christoph Hinz
Christoph Hinz Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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