Jever - Getreu dem Leitspruch „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“ startete jetzt ein zweiteiliges Lesungsprojekt der Bibliothek des Mariengymnasiums Jever, bei dem mit Graphic Novels die eigene Geschichte und Herkunft entdeckt werden soll.
Für den Auftakt mit „Emil – Tagebücher aus der Weimarer Republik“ war der 9. November bewusst gewählt: 1918 Matrosenaufstand in Wilhelmshaven und Kiel; Ausrufung der Republik in Berlin; Hitlerputsch 1923 in München; Beginn der Novemberpogrome 1938; Mauerfall 1989 in Berlin. Zum Inhalt: Moritz entdeckt in einer Kiste auf dem Dachboden die Tagebücher seines Urgroßvaters Emil und taucht ein in die Unruhen des Jahres 1918. Gepackt von der dramatischen Handlung, erlebt er durch die Aufzeichnungen die Entwicklungen in Deutschland und erkennt deren Bedeutung für die heutige Zeit.
Persönliche Geschichte grafisch umsetzen
Besonders beeindruckend an der Graphic Novel „Emil – Tagebücher aus der Weimarer Republik“ sind die Zeichnungen von Rüdiger Trebels, mit denen er die Zeitebenen der Geschichte von Ludger Grevelhörster in zwei Zeichenstilen illustriert. Interessant ist gerade, wie eine solche persönliche Geschichte aus einer Zeit, in der im eigenen Land Geschichte geschrieben wird, grafisch umgesetzt werden kann und welchen Anspruch an Geschichtsdarstellung eine mittlerweile etablierte Literaturform wie die Graphic Novel hat.
Anhand einiger Szenen erläuterte Autor Ludger Grevelhörster die Hintergründe zur Entstehung und die Intention der Darstellungen. Denn „keiner ist objektiv“, und so sei auch seine Erzählung geprägt von subjektiven Eindrücken, sagte der Historiker und Geschichtslehrer.
Dass diese Form überaus spannend ist, um sich mit sonst eher schwierigen Epochen auseinanderzusetzen und damit auch die Bedeutung der eigenen Vergangenheit neu zu bewerten, steht außer Frage. Mehr noch: „Das ist auch heute noch ein aktuelles Thema, leider“, so Grevelhörster mit Blick auf das Ende des Buches mit der Machtübernahme Hitlers im Jahr 1933.
Keine öffentliche Veranstaltung wegen der Pandemie
Geplant hatte das Bibliotheksteam, Dr. Anja Belemann-Smit, Dr. Georg Wagner-Kyora und Tina Haseneyer, das Lesungsprojekt für ein breites Publikum, doch wegen verstärkter Corona-Maßnahmen musste eine öffentliche Veranstaltung abgesagt werden. Dafür konnten die beiden Geschichtsleistungskurse diesen besonderen kulturellen Lichtblick erleben.
Am 23. November folgt eine Veranstaltung zur Graphic Novel „Nieder mit Hitler!“ für den zehnten Jahrgang mit Autor Jochen Voit und Illustrator Hamed Eshrat, die ihre Geschichte über eine Widerstandsgruppe in Thüringen vorstellen.
