Jever - Man stelle sich einmal vor: ein Unfall auf einer Bahnstrecke ausgerechnet in unwegsamen Gelände und selbst zu Fuß einige hundert Meter von der nächsten Straße entfernt. Da ist ein Schienenwagen mit den erforderlichen Einsatzgerätschaften, den man auf die Bahngleise setzt und dann zum Einsatzort schieben kann, schlicht Gold wert.
Genau so etwas hat der THW-Ortsverband Jever in den vergangenen Jahren entwickelt und auch schon erfolgreich eingesetzt. Wie Michael Falkenhof, Zugführer der Einsatzabteilung, erläutert, kann dieses schnell zusammenbaubare Teil des sogenannten Einsatzgerätesystems EGS einerseits mit Materialien beladen, aber auch für den Abtransport von Verletzten genutzt werden, um diese nicht auf einer Trage über Äcker oder durch Gebüsch tragen zu müssen.
Nach neuestem Entwicklungsstand kann der Schienenwagen inzwischen auch LED-Flächenleuchten mitbringen. Die Leistung von taghellem Licht ist bei diesen noch beeindruckender als bei den bekannten „Powermoon“-Leuchten, denn sie sind nicht nur unempfindlicher gegen Wind und Wetter, sie brauchen auch keine Aufheizphase bis zur vollen Leuchtkraft. Mit diesem Teil des EGS ist das THW übrigens auch in die sogenannte „Bahnrunde“ eingebunden, die die Feuerwehr des Landkreises Friesland für Bahnunfälle vor Jahren ins Leben gerufen hat.
Doch der große Schienenwagen ist nur eine Komponente des EGS. So lässt sich mit den Bauteilen auch eine Rettungsplattform errichten, wie sie bei Lkw- oder Busunfällen oft benötigt wird. Schnell und praktisch aufzubauen sind auch Systemteile, um zum Beispiel Stege zu bauen, Decken abzustützen oder mit einem Dreibein Möglichkeiten zu schaffen, um in Schächte hinab zu gelangen.
Meist kommt das EGS beim sogenannten ersten Angriff zum Einsatz, doch es gibt auch die begleitenden Maßnahmen wie die Dekontaminierungsschleuse. Wenn da zum Beispiel kritische Transporte von einem Bauernhof erfolgen müssen, baut das THW beidseits der Zuwegung Bühnen auf für die Desinfizierungsanlage, unter der die Fahrzeuge dann durchfahren.
Stets dabei sind im Übrigen die Bausätze 1 bis 4 gemäß der StAN (Stärke- und Ausrüstungsnachweisung), die zur regulären Ausstattung jedes Ortsverbandes gehören. Hinzugekauft wurden allerdings diverse Materialien, teilweise aus Mitteln der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, teils aber auch durch Spenden unter anderem vom Förderverein. Das ermöglichte inzwischen auch den schnellen Transport, denn es wurde ein eigens für das EGS hergerichteter Anhänger angeschafft und ausgestattet. Nur für die ganz großen Teile des insgesamt rund fünf Tonnen schweren EGS wird dann ein Lkw-Anhänger benötigt. Bei aller hervorragender Ausrüstung sei jedoch das gekonnte Umgehen damit entscheidend und da sei die Ausbildung auf hohem Niveau wie beim Ortsverband Jever eine Voraussetzung, betont Zugführer Falkenhof. „Wir sind eine große Familie beim THW und jeder kann sich auf jeden verlassen.“
