Jever - Aus Sicht der Nachbarn des evangelischen Gemeindehauses in der Zerbster Straße muss es eine sonderbare Situation sein: Da kommt ein Investor, der sich bislang nicht zu erkennen gibt, und will inmitten der „eingewachsenen“ Einfamilienhaus-Siedlung aus dem 1970-er-Jahre-Bau einen Wohnkomplex mit 25 Wohnungen entwickeln. Ob es Miet- oder Eigentumswohnungen werden? Ebenfalls geheim.
Was dafür ziemlich konkret ist, sind die nötigen Änderungen im Bebauungsplan für den Bereich der „Schützenhofsiedlung“ im Süden Jevers. Im Bauausschuss der Stadt wurde am Mittwochnachmittag der Antrag dazu beraten. Ein Planungsbüro zeigte die nötigen Änderungen auf, wo aus einer Sondernutzung ein allgemeines Wohngebiet werden muss. Und Architekt Alexandre Schlieper vom Büro Metaplan präsentierte mit vielen Schaubildern und Erläuterungen, was baulich geplant ist.
Schlieper konnte den zahlreichen Anwohnern im Zuschauerraum, die vom Ausschussvorsitzenden Harry Funk außerplanmäßig ein Rederecht erhielten, schon manche Sorge nehmen. So ging es darum, wer dafür aufkommt, wenn durch die schweren Baufahrzeuge Schäden an den Straßen oder Häusern entstehen. Seine Antwort: Natürlich der Verursacher. Die Stadt will indessen prüfen, ob die Straßen schweren Lasten wirklich gewachsen sind, versprach Kämmerer Dietmar Rüstmann.
Mitte 2019 hatte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Jever beschlossen, sich von dem in die Jahre gekommenen Gemeindehaus zu trennen. Im Zuge des allgemeinen Sparkurses wurden zuvor schon andere Liegenschaften wie der frühere Kindergarten in der Steinstraße aufgegeben.
Die Pläne des unbekannten Investors sehen vor, das alte Gemeindezentrum zu erhalten und in einen Neubau zu integrieren. Durch Ankauf eines kleinen Zusatzgrundstücks stehen insgesamt 4800 Quadratmeter zur Verfügung. Zugelassen ist eine zweigeschossige Bauweise, wenngleich der Neubau auf den ersten Blick drei Geschosse hat. Da aber ganz oben weniger als zwei Drittel der Fläche bebaut sind, fällt dies noch unter die Begrenzung, erläuterte Schlieper auf Nachfrage der Anwohner. Die Gebäudehöhe beträgt elf Meter. Dies sei im größeren Umfeld nicht ungewöhnlich. 25 Parkplätze auf dem Grundstück sollen dafür sorgen, dass es in den umliegenden Straßen nicht eng wird. Die 25 Wohnungen sollen eine Größe von je 65 bis 115 Quadratmeter haben. Anwohner fürchten aber, dass mehr Verkehr auf sie zukommt.
Die Skepsis der künftigen Nachbarn stand in der Sitzung am Mittwoch der wohlwollenden Begleitung durch die Politik gegenüber. Die „Verdichtung von Baulücken“ sei genau das, was man in Jever wolle, sprach Olaf Harjes (Grüne) aus, was offenbar auch der Rest des Ausschusses unterstützt. „Niemand hat ein Recht darauf, dass in seiner Umgebung nicht etwas Neues gebaut wird.“
Einstimmig wurde der Aufstellungsbeschluss am Ende gefasst. Offene Fragen sollen im weiteren Verfahren geklärt werden. Sollte dies unterbrechungsfrei verlaufen, könnte schon Ende des Jahres der Grundstein gelegt werden. Es wird von zwölf bis 15 Monaten Bauzeit ausgegangen.
