Jever - Wahrscheinlich wissen nicht mehr viele Friesländer und Wittmunder, dass sich hinter der plattdeutschen Bölkwuddel ein Winterrettich verbirgt. Und demnach auch nicht, dass der entstandene Saft in der ausgehöhlten, mit Kluntje gefüllten Frucht eben gegen Husten - Bölken - hilft. Oder würde man ahnen, dass Kartuffels, Tuffels und Eeerdappels der Sorte Negenweeksters, wie der Name sagt, neun Wochen im Boden reiften, bevor sie als Kartoffeln in den Supermarkt kommen? Und Klöterdöös heißt auf Hochdeutsch eben Klappertopf.
Dies und viel Wissenswertes mehr über 53 Planten un Blömen hat Suntke Reents, ehemaliger Leiter der Haupt- und Realschule Obenstrohe, zusammengetragen. Im Auftrag der Landkreise Friesland und Wittmund wählte er Pflanzen, Blumen und Sträucher aus und fand die plattdeutschen Bezeichnungen. Diese erklären oftmals wesentlich exakter, worauf zu achten ist, nach Tast-, Geruch- oder Geschmacksinn, sagte Reents.
Unterstützung erhielt er dabei von den Plattdeutschbeauftragten beider Landkreise, Wolfgang Busch und Georg Schwitters (Friesland) sowie Hillrich Reents (Wittmund), Bruder von Suntke. So manche Stunde hätten sie zusammengesessen bei der Findung der beiden unterschiedlich gefärbten plattdeutschen Ausdrücke im Jeverländer- und Harlingerländer Platt.
Nach dem großen Erfolg eines ersten kostenlos in dritten und vierten Grundschulklassen verteilten Heftes der Serie Natuur up Platt 2009 über 26 Vogelarten in Friesland, stellte jetzt Kreisrätin Silke Vogelbusch im Beisein der Plattdeutschbeauftragten das neue Heft vor. Es entstand in Zusammenarbeit beider Landkreise und hat eine Auflage von 8200 Exemplaren.
Die 37 Seiten umfassende Arbeit mit Zeichnungen des Illustrators und Tiermalers Claus Rabba aus Varel sei durchaus als Handbuch zu verstehen, hob die Kreisrätin hervor. Im Anhang sind Worterklärungen beider Sprachen ebenso zu finden wie ein Register in Platt- und Hoogdüütsch.
