Jever - Dass dieser Stahlkoloss nicht schon entdeckt wurde, als der Bahnübergang Sophienstraße/Moorweg vorm historischen Lokschuppen geschaffen worden ist, erscheint wenig wahrscheinlich. Aber jetzt ist er da, seit Anfang der Woche ist das Bauamt der Stadt damit konfrontiert, dass der zum Teil unter der Fahrbahn gelegene Hohlkörper den Fortschritt der Erdarbeiten für die Erneuerung des Schmutzwasserdurchlasses behindern könnte. Und nicht genug damit, auch sein einstiger Inhalt könnte noch problematisch werden. Denn als der Tank geöffnet wurde, entwickelte sich ein starker Kraftstoffgeruch im Bereich der Baustelle.
Nutzung ungeklärt
Es sei unklar, wann der Tank in den Boden gekommen und mit was er gefüllt gewesen ist, erklärte gestern auf Nachfrage Hans-Wilhelm Schaus vom Bauamt der Stadt Jever. Nach der Nutzung sei er aber wohl gereinigt und mit Sand aufgefüllt worden. Ob er mit Heizöl oder Kraftstoff gefüllt gewesen sei, müssten Untersuchungen des Füllsandes und des Erdreichs rund um den Tank ergeben. „Es kann gut sein, dass das noch aus alten Bahnzeiten stammt“, sagte Schaus. Voraussichtlich bis zum 18. Juni bleibt die Sperrung des Bahnübergangs bestehen.
Dafür, dass er schon Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde, gibt es tatsächlich Hinweise, er ist nämlich genietet und nicht geschweißt. Das Schweißen löste – beispielsweise beim Schiffs- und Brückenbau – die bis dahin übliche Methode der Stahlverbindung durch den Gebrauch von Nieten erst Anfang des 20. Jahrhunderts ab. Der Tank im Erdreich der Baustelle offenbart auf den ersten Blick eng gesetzte Nieten anstelle von Schweißnähten. Der Lokschuppen ist vor rund 120 Jahren gebaut worden, das Vorsteherhaus, an das er angebaut ist, soll noch etwa 20 Jahre älter sein. Das würde zeitlich zu den Nieten im Stahl ebenso passen wie der Gedanke, dass der ganze Geländebereich einmal zur jeverschen Bahnhofsanlage gehört hat. Mit Diesel betriebene Lokomotiven sind erstmals vor etwa 100 Jahren auf die Schiene gekommen.
Doch all das ist Spekulation, die Nietreihen sind der einzige Hinweis auf das mögliche Alter des Tanks. Das zehn Meter lange und zwei Meter breite Behältnis hatte vermutlich ein Fassungsvermögen von bis zu 31 000 Litern, ob es nun Heizöl oder ein Kraftstoff war.
Leser-Hinweise
Jetzt gilt es, die Ergebnisse der Proben abzuwarten – der starke Geruch nach Kraftstoff haftete nämlich auch dem Umgebungssand an der Fundstelle an, der nun in einem Container auf dem Gelände der Kläranlage zwischengelagert wird.
Leser, die eventuell genauer wissen, was es mit dem Stahltank wenige Meter entfernt von Vorstehergebäude und Lokschuppen auf sich haben könnte, sind dazu eingeladen, der Redaktion diese Hinweise und – sofern vorhanden – vielleicht sogar historische Fotos zuzusenden unter
