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Bildung in Corona-Zeiten Notbetreuung am Mariengymnasium – ein Stück Schulalltag

Jever - Die Notbetreuung von Schülern im Lockdown ist am Mariengymnasium Jever alles andere als eine Notlösung. Sie ist dort ein komplexes und ausgeklügeltes System, in dem vom Online-Unterricht bis zum Infektionsschutz an alles gedacht ist. Die Notbetreuung kommt für Jungen und Mädchen der 5. und 6. Klassen infrage, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind und deshalb kein Homeschooling ihrer Kinder begleiten können, aber auch für Schüler, die Deutsch als Zweitsprache sprechen und daheim von den Eltern keine Hilfe bei den Aufgaben erwarten können.

„Es ist schulisch sehr anspruchsvoll, zugleich aber auch eine wichtige soziale Aufgabe“, erklärt die pädagogische Mitarbeiterin Kerstin Land, unter deren Federführung im ersten Obergeschoss der Schule derzeit alles läuft. Es sei wichtig, dass die Kinder sich aufgehoben fühlten und jeden Tag gern kämen. Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck und seine Stellvertreterin Katrin Finke sind nach eigenem Bekunden stolz darauf, welches Spektrum an Aufgaben die Notbetreuung am Mariengymnasium leistet.

Täglich besuchen bis zu 23 Schüler von 8 bis 13 Uhr die Notbetreuung im ersten Obergeschoss des neuen Kunst- und Verwaltungstrakts. Außer Kerstin Land kümmern sich dort außerdem zwei Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) und im zweistündigen Wechsel je eine Lehrkraft um sie. So ist die Aufsicht gewährleistet, in denen die Schüler im jeweiligen Klassenverband unter sich bleiben, und es ist immer Hilfe bei Fragen möglich.

Konzentriertes Arbeiten

Manche tragen ihre Headsets, andere sind über Bücher gebeugt – alle arbeiten mit dem Laptop. Wer die Atmosphäre in der Notbetreuung des Mariengymnasiums erlebt, der versteht: Hier ist Schule. Diszipliniert und konzentriert arbeiten die Jungen und Mädchen jeweils im Corona-Abstand voneinander an ihren Aufgaben und nehmen an den Videokonferenzen ihrer Lehrer teil. Wer eine Frage hat, manchmal ist es nur eine einfache Verständnisfrage, dem wird in den vier Räumen der Notbetreuung im ersten Obergeschoss des neuen Kunst- und Verwaltungstrakts normalerweise auch geholfen.

Alles ist möglich

Das hier ist keine stille Hausaufgabenstunde von 8 bis fast 13 Uhr und schon gar keine Beschäftigungsmaßnahme für Kinder, die sonst alleine zu Hause wären. Kerstin Land, pädagogische Mitarbeiterin des Gymnasiums, weiß jeden Moment, wo sie gerade gefragt ist. „Wir haben Stundenpläne, auf denen jeder sehen kann, ob und wann er eine Videokonferenz hat“, sagt sie. Und sie fügt hinzu, wie froh sie sei, dass alle vier Klassenzimmer der Notbetreuung im Neubau miteinander verbunden sind. Außerdem können die Jungen und Mädchen, wenn sie gerade mal keine Aufgabe haben, in einem weiteren Zimmer malen und in einem anderen Spiele spielen. Kerstin Land: „Sie können hier überhaupt nahezu alles machen, was sonst in der Schule möglich ist, bis hin sogar zu Experimenten.“ Als es noch möglich gewesen sei, habe auch Sport dazugehört. Die Notbetreuung können unter anderem Kinder in Anspruch nehmen, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind und kein Homeschooling begleiten können.

Lehrerkollegen helfen

In dieser Woche ist es noch sehr ruhig am Mariengymnasium, es gilt Szenario C: Außer den bis zu 23 Schülern der Notbetreuung sind nur Schüler des 13. Abiturjahrgangs im Haus. Katrin Finke, stellvertretende Schulleiterin und Oberstufenkoordinatorin, weist darauf hin, dass sich das schon in der nächsten Woche ändert: „Dann haben wir Szenario B, die 5. bis 7. Klassen kommen im Wechselunterricht zurück und ab der Woche darauf, vor Ostern, sind alle im Szenario B.“ Dann könnte es räumlich für die Notbetreuung auch eng werden und ein Umzug bevorstehen. „Wir sind mit der Notbetreuung auch durchaus schon an unsere Kapazitätsgrenzen gekommen“, sagt Katrin Finke. Dass zwei Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) und Lehrerkollegen sich beteiligten, sei eine enorme Hilfe.

Das macht auch Kerstin Land deutlich: „Es hilft uns sehr.“ Man sei jetzt in der neunten Woche, „und anfangs waren es deutlich weniger Schüler, vielleicht die Hälfte von denen, die heute kommen“. Die Aufsicht in den vier Räumen lasse sich nur so gewährleisten. Hinzu komme, dass die Schüler auch hier in ihren Klassenverbänden blieben, Zimmer für Zimmer, damit sich nichts durchmische.

Die Lehrkräfte kommen im zweistündigen Wechsel, während die Bufdis, Marie Prangemeyer und Mikel Trotte, die ganze Zeit dabei sind. Was die vier Erwachsenen leisten, geht über bloße Betreuung weit hinaus. Mehr als zwölf Unterrichtsfächer deckt die Notbetreuung ab. „Da kommt es mir zugute, dass ich selbst auch mal auf Lehramt studiert habe“, sagt Kerstin Land.

In diesem Moment hat eine Schülerin eine Frage zu einer Geschichtsaufgabe. Geduldig widmet sich Land der Schülerin und führt sie mit Fragen zu dem Punkt, an dem die Zehnjährige selbst auf die Lösung kommt. „Zum Glück hat der Landkreis für eine ausreichende Anzahl an Laptops mit Headsets gesorgt, sonst ginge vieles gar nicht“, sagt Kerstin Land. Ob es die einzelnen Aufgaben seien oder die jeweiligen Videokonferenzen – keiner der Schüler störe den anderen.

Vertrauen und Respekt

Doch auch, wenn das Lernen wichtig ist: Es geht nicht nur um Unterricht in der Notbetreuung. „Wir sorgen dafür, dass die Pausen eingehalten werden, in der Frühstückspause sind alle mit ihren Pausenbroten in der Mensa“, erläutert Kerstin Land. Sie wird auch nicht müde, den großen sozialen Aspekt dieses Angebotes zu betonen. Sie kennt jedes der Kinder gut, lässt sich auch menschlich voll auf sie ein. Das große Vertrauen und der Respekt der Schüler geben ihr Recht.

Kerstin Land weiß, was sie tut, denn wenn gerade nicht eine Pandemie den Schulalltag umkrempelt, hat sie Schüler im Ganztagsangebot unter ihren Fittichen. Und es darf durchaus menscheln, wenn Kerstin Land an Bord ist. Das hat es auch an diesem Morgen, als ihr alle herzlich zum 64. Geburtstag gratulierten.

Christoph Hinz
Christoph Hinz Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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