Jever - Jürgen Eden hat es neulich hart erwischt. So hart, dass es ihn fast das Leben gekostet hätte. Über den Vorfall in seiner Wohnung in Jever weiß der 85-Jährige nicht mehr viel. „Was das angeht, erinnere ich mich an fast gar nichts, da habe ich einen Filmriss“, bekennt der Rentner, der vielen Jeveranern als Wochenblatt-Kameramann und Betreiber von „Jürgens Video-Blog“ bekannt ist.
Vieles liegt im Dunkeln
Vieles, was nach seinem Sturz oder Zusammenbruch geschehen ist, liegt im Dunkeln. Wie er sich selbst gerettet hat, weiß er aber noch gut. Der rote Knopf, den er an einem weißen Band am Hals trägt, erinnert ihn ständig daran, dass er ohne diesen Hausnotrufknopf sehr wahrscheinlich gestorben wäre. Er geht noch weiter: „Ich wäre definitiv ohne den Knopf nicht mehr am Leben.“ Und er möchte nun dafür werben, dass sich allein wohnende Senioren wie er unbedingt mit so einem Hausnotruf ausstatten.
Für sein Alter ist der gebürtige Wangerländer ziemlich rüstig. Bis vor Kurzem hat er noch auf Großveranstaltungen gefilmt, immer mitten im Leben, immer aufmerksam. Und auch von Haus aus hat er sich seinen Platz im Leben immer erkämpft, ob beruflich als Landwirt oder Betreiber eines landwirtschaftlichen Lohnunternehmens, als Familienvater oder als kreativer Autodidakt hinter der Kamera. Seine Aufnahmen vom Schneewinter 1978/79 sind legendär. Jürgen Eden hat vor vielen Jahren den Krebs besiegt und sich auch von chronischen Leiden im Alter kaum einmal ausbremsen lassen.
Plötzlich übel geworden
Aber an einem Tag vor einigen Wochen hat es ihn in seiner Wohnung umgehauen. „Mir ist plötzlich übel geworden, ob das morgens oder abends war, weiß ich nicht mal mehr“, berichtet Eden. Was er sagen kann, ist, dass er sicherlich mindestens zwölf Stunden bewusstlos in seiner Wohnung am Boden gelegen hat. Irgendwann sei er zu sich gekommen und habe im Dämmerzustand begriffen, dass er sich ohne fremde Hilfe nicht mehr würde aufrichten können. Er hätte verdursten können in dieser verzweifelten Lage.
„Aber dann habe ich mich daran erinnert, dass meine Tochter Wiebke mich dazu gedrängt hat, dieses Notrufsystem anzuschaffen. Erst dachte ich, ich hätte ihn gar nicht bei mir, weil ich ihn nicht gleich finden konnte.“ Aber Eden suchte weiter, fand den Knopf und drückte ihn. Umgehend meldete sich über einen mobilen Funksender, der zum System gehört, sehr vernehmlich eine Stimme und fragte nach.
Schnell sei klar gewesen, dass er den Knopf nicht aus Versehen gedrückt hatte. „Die Stimme hat gesagt: Wir sind schon unterwegs zu Ihnen“, erzählt der Rentner. Und bis zum schnellen Eintreffen eines Rettungswagens habe die Stimme am anderen Ende mit ihm gesprochen. „Bis es hieß: Wir sind vor Ihrer Tür, wir kommen jetzt rein.“ Die Retter hatten sogar einen Wohnungsschlüssel.
Was die Ursache für die dramatische Notsituation war, ob er gestolpert war oder eine Kreislaufschwäche ihn erwischt hatte, weiß Jürgen Eden nicht. Nur, dass bereits im Rettungswagen ein EKG gemacht wurde. „Das Herz war es wohl auch nicht.“ Gefährlich dehydriert wurde er ins Wittmunder Krankenhaus eingeliefert, wo man ihn untersucht und schließlich wieder aufgepäppelt habe. Wie lange er im Krankenhaus war? Er kann sich auch daran nicht erinnern.
Vorfall bewegt ihn
Eden lebt inzwischen wieder selbstständig in seiner eigenen Wohnung und weiß: Das war knapp. Wenn er erzählt, spürt der Zuhörer, wie sehr ihn der Vorfall immer noch bewegt. Er ist aber vor allem dankbar, dass er per Knopfdruck seine eigene Rettung organisieren konnte. „Und der Kopf am Band ist für mich jetzt mein Talisman“, sagt er mit einem Lächeln.
Seine Geschichte hat er unserer Zeitung erzählt, um möglichst viele ältere Menschen davon zu überzeugen, wie sinnvoll ein Hausnotruf ist. Er werde seinen Talisman auf jeden Fall auch weiterhin immer am Körper tragen, das gebe ihm auch für die Zukunft ein gutes Gefühl von Sicherheit.
