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DLRG Jever-Schortens Zu wenig Ehrenamtliche sind aktiv dabei

Jever/Schortens - Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm: Bundesweit gibt es einen massiven Mitgliederschwund, sogar Einbußen von bis zu 50 Prozent. Das haben Jan Völkert und Christian Stolz von der Ortsgruppe Jever-Schortens jetzt auf Nachfrage berichtet.

In der Ortsgruppe sieht es nicht besser aus. Zwar ist die Mitgliederzahl gestiegen und mit 561 sogar höher als vor der Corona-Zeit. Aber: Nur etwa ein Fünftel (110) ist tatsächlich aktiv dabei. „Viele nutzen uns nur als Sprungbrett – bleiben dem Verein aber nicht lange treu“, sagt Jan Völkert, Zweiter Vorsitzender. „Die Kinder werden für unsere Schwimmkurse angemeldet, weil der Jahres-Mitgliedsbeitrag weniger kostet als ein üblicher Schwimmkurs.“ Heißt: Die DLRG rechnet damit, dass die etwa 90 Neuzugänge bald wieder austreten. „Wir haben kaum aktive Ehrenamtliche“, sagt Christian Stolz, Leiter Kommunikation. „Es fehlt an allen Ecken und Kanten. Die Rettungsschwimmer sind da nur ein Bereich.“

Ehrenamt bereitet Freude

Und dabei bereite das Ehrenamt so viel Freude, betonen Völkert und Scholz. Jan Völkert erinnert sich noch genau, wie bei ihm alles begann: „Meine Eltern haben mich beim Pfingstcamp angemeldet – und seitdem bin ich nie wieder gegangen“, sagt er. Dieses Pfingstcamp liegt nun 14 Jahre zurück – seitdem ist der heute 29-Jährige Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsverband Jever-Schortens, und heute ist er der Zweite Vorsitzende. Viele dieser Menschen, die der DLRG Jever-Schortens über Jahre die Treue halten und auch wirklich aktiv dabei sind – und nicht nur namentlich auf der Mitgliederliste stehen – gibt es leider nicht.

Demnach braucht der Ortsverband dringend aktive Ehrenamtliche. Und zwar nicht nur als Rettungsschwimmer: „Uns fehlt die gesamte Bandbreite“, sagt der 39-jährige Stolz. Und die sei groß, was vielen vielleicht gar nicht bewusst sei, fügt er hinzu. So gebe es neben der Sparte Wasserrettung auch den Rettungssport oder auch die Taucher, in den Bereichen wird auch ausgebildet. Seit einigen Jahren gibt es auch das Jugend- und Einsatzteam – eine kleinere Abstufung, bei der junge Menschen spielerisch an die Tätigkeiten der DLRG herangeführt werden. Knapp 15 Jugendliche sind derzeit in dieser Gruppe. Das Angebot sei sehr gut – dennoch gibt es darüber hinaus Probleme.

Wasseraufsichten dringend gesucht

Denn auch ältere Ehrenamtliche fehlen. „Wir brauchen für die Schwimmausbildung zum Beispiel dringend Wasseraufsichten“, sagt Stolz. Die könne auch von Eltern übernommen werden, deren Kinder im Kurs schwimmen lernten. Voraussetzungen benötige man keine. „Es sind ja immer Ausbilder da, wenn die Aufsichten einfach die Kinder mit im Blick haben und Bescheid geben, wenn was ist – dann wäre das schon sehr hilfreich“, fügt Stolz hinzu, der es sehr traurig findet, dass allgemein immer weniger Menschen für das Ehrenamt begeistert werden können. Wie das überhaupt klappen könnte? „Eine Patentlösung haben wir da noch nicht“, sagt Völkert. Vor allem setzen sie auf Werbung – und haben kürzlich neue Werbebanner angeschafft. „Werde Mitglied – und nimm das Ruder selbst in die Hand“ stand auf einem großen Banner zum Beispiel, das am Vereinsheim neben der Badestelle in Schortens hing. Nun ist es verschwunden – gestohlen.

Darüber hinaus fehlen diejenigen, die einfach etwas helfen, die Gemeinschaft zu stärken und aufrechtzuhalten. „Denn wir haben hier natürlich auch viel Spaß, sitzen zusammen, grillen – der Gemeinschaftsgedanke darf nicht fehlen“, sagt Stolz. Organisiert werden muss so etwas aber auch – doch wie, ohne Aktive, die einfach mal mit anpacken? Und dabei mache das Ehrenamt bei der DLRG so viel Freude, betonen Stolz und Völkert. „Manche denken, die DLRG steht nur am Wasser. Doch wir sind noch viel mehr“, sagt Stolz. Und Völkert? Ihn hat die Freude vor 14 Jahren gepackt – und seitdem nie wieder losgelassen. Und das sagt doch schon einiges aus.

Die Krisen

Vor allem die Coronakrise habe vieles kaputt gemacht, sagt Christian Stolz. „Viele Angebote konnten durch die Schließungen der Bäder nicht stattfinden.“ Deshalb blickt der Verein auch mit Sorge auf die Energiekrise. „Sollte das Aqua Fit in Schortens tatsächlich schließen, bricht wieder etwas weg. Wir hoffen, dass das Bad so lange es geht geöffnet bleiben kann, damit wir uns am und im Wasser fit halten können“, sagt Stolz. Die Schwimmausbildung stehe aber wohl zumindest weit unten auf der Liste der möglichen Kürzungen, meinen Stolz und Jan Völkert.

Vor diesem Hintergrund hat auch die DLRG auf Bundesebene im Namen aller 18 Landesverbände einen offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ministerpräsidenten der Länder geschrieben, mit der Forderung, die Schwimmbäder während möglicher Energieengpässe im Herbst und Winter so lange wie möglich weiterzubetreiben.

Der Vertrag

Während die DLRG bei Einsätzen früher als Unterstützung bei Bedarf alarmiert wurde, gibt es seit Kurzem einen Vertrag zwischen Landkreis und den DRLG-Ortsgruppen Varel, Schortens-Jever, Bockhorn-Zetel und Wangerland. Nun wird die DLRG grundsätzlich bei bestimmten Einsätzen alarmiert. Der Wasserrettungszug Friesland der DLRG ist damit beauftragt, die Wasserrettung im Landkreis sicherzustellen, so der Landkreis auf Nachfrage. Die Wasserrettung umfasst die Befreiung von Notfallpatienten aus Gefahrenlagen in und an Gewässern sowie den Transport gefährdeter Personen und ermöglicht so die weitere Versorgung und den Transport durch den bodengebundenen Rettungsdienst beziehungsweise die Luftrettung. Der Einsatz beschränkt sich auf alle mit Booten befahrbaren Gewässer im Wasserrettungsversorgungsbereich des Landkreises bis einschließlich zur mittleren Hochwasserlinie (ausgenommen Wangerooge). Ein Notarzt wird durch den bodengebundenen Rettungsdienst bereitgehalten.

Die Aufsicht

Der DLRG-Ortsverband Jever-Schortens ist als Unterstützung am Sander See, am Freibad Jever und im Aqua Fit in Schortens zu finden. Dabei sind die Ehrenamtlichen im Hallen- und Freibad niemals ein Fachkraft-Ersatz, betonen Jan Völkert und Christian Stolz von der DLRG. „Wir dürfen zum Beispiel nicht die Technik bedienen“, klärt Völkert auf. „Wir sind da, um im schlimmsten Fall helfen zu können.“ Das bringen einige Badegäste auch durcheinander – und sind beispielsweise verärgert, wenn die Ehrenamtlichen nicht den Sprungturm öffnen dürfen. Respektloser Umgang? Haben die Ehrenamtlichen leider schon erlebt.

Am Sander See sind sie nur dann vor Ort, wenn das Wetter gut und viele Menschen dort sind. Ansonsten gilt: Baden auf eigene Gefahr – wie übrigens seiteiniger Zeit auch an der Badestelle Schortens. Nach dem Pächterwechsel gab es keine andere Regelung, die DLRG ist also erst mal raus. „Wobei hier ja vielleicht auch eine Lösung wie am Sander See möglich wäre“, überlegt Völkert.

Interesse?

Wer in die ehrenamtliche Arbeit der DLRG hineinschnuppern möchte, kann unverbindlich mittwochs um 18.30 Uhr zum Vereinsheim kommen (Am Schwimmbad 1 A).

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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