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Zahnarzthelferin berichtet So wirkt sich die Coronakrise auf die Zahnarztpraxen aus

Jever - Sie arbeiten am offenen Mund ihrer Patienten und könnten sich jederzeit anstecken: Die Rede ist von Zahnärzten und ihren Teams. Zu einem solchen Team gehört Zahnarzt- und Prophylaxe-Helferin Ina Hinrichs. Sie arbeitet in der Praxis von Zahnärztin Hille Leiner-Leffringhausen in Jever. „In unserem Beruf sind wir immer darauf eingestellt, dass der Ernstfall kommt“, sagt Hinrichs.

Stetiges Risiko

„Wir müssen bei jedem Patienten damit rechnen, dass er Aids oder Hepatitis hat“, ergänzt sie. Oder eben das Coronavirus. Die Krise hatte besonders zu Anfang große Auswirkungen auf ihre Arbeit. Denn Ina Hinrichs hat ihren Schwerpunkt in der Prophylaxe, der professionellen Zahnreinigung. „Es wurde empfohlen, das nicht zu machen, deswegen haben wir einen Monat darauf verzichtet“, erzählt sie.

In der Prophylaxe werde mit einem Gerät gearbeitet, das sich Airflow nennt. „Die Zähne werden abgestrahlt und dann hat man Aerosole im Raum, die ungefähr 1,5 Meter im Umkreis versprüht werden.“ Aerosole sind auch Tröpfchen, ähnlich wie beim Niesen oder Husten. Allerdings sind sie viel kleiner und so leicht, dass sie sich wesentlich länger in der Luft halten können. Dadurch steigt die Gefahr einer Ansteckung mit etwa dem Coronavirus.

Corona-Zwangspause

Die Zwangspause „war schlimm für mich, weil ich die Arbeit wirklich liebe.“ Seit 23 Jahren arbeitet Ina Hinrichs schon im Bereich der Prophylaxe. Auch für die Praxis war es schlimm: „Prophylaxe ist ein großes Standbein“, schildert Hinrichs. Der Ausfall habe finanzielle Einbußen zur Folge, die nicht mehr aufgeholt werden können.

Im März habe noch keiner gewusst, wie am besten mit dem Virus umgegangen werden sollte, wie sich die Lage entwickeln würde. Als Vorsichtsmaßnahme wurde das Team der Praxis an der Schulstraße für einen Monat zweigeteilt. Es galt Kurzarbeit mit zwei Wochen „Corona-Urlaub“ für beide Teams. „Wenn sich ein Team angesteckt hätte, wäre das zweite Team eingesprungen.“

Seit April ist das nun wieder vorbei. Die Corona-Lage in der Region ließ dies zu. Dennoch wurden weiterhin Termine von Risikopatienten verschoben und ein paar wenige sagten ihre Termine selbst ab. Sie hatten Angst vor Ansteckung oder konnten sich zum Beispiel die professionelle Zahnreinigung durch eigene Kurzarbeit erst einmal nicht leisten.

Wahrzeichen der Krise

In ihrem eigentlich Arbeitsablauf habe sich nicht viel verändert, erzählt Hinrichs. Durch das generell erhöhte, tägliche Risiko galt auch vorher: „Wir tragen eh Handschuhe und Mundschutz, bei der Prophylaxe ein Visier.“ Jetzt wurde nur noch stärker auf die Hygienemaßnahmen geachtet oder Wartezeiten vermieden als vor der Corona-Krise.

Eine sichtbare und kostspielige Veränderung wird wohl auch in Zukunft bleiben: Eine Scheibe an der Anmeldung. „Das Wahrzeichen für die Krise“, wie Ina Hinrichs es beschreibt. Das war jedoch gar nicht so leicht, denn Plexiglas gab es damals nicht mehr zu bekommen. Schließlich habe die Firma Krüger eine Scheibe mit Rahmen angepasst. „Es gab viele Komplimente von Patienten, die sagten, unsere sei die schönste Scheibe, da sie so gut zur Praxis passt“, erzählt Hinrichs und lacht.

Masken als Mode

Daneben gab es weitere Komplimente der Patienten und Bewunderung aus anderen Branchen, „weil wir immer schon täglich Masken tragen.“ Das Team habe weiße Masken mit rosa Blumen und wurde noch nie so häufig darauf angesprochen wie jetzt. „Alle achten da mehr drauf. Es ist so eine Art Mode geworden, was die Leute so für Masken tragen. Unsere Masken fanden die Patienten fröhlich und freundlich. In den ganzen Jahren vorher hat das keiner bemerkt“, erzählt Hinrichs.

Wie in einer Blase

Dadurch, dass sich in der Praxis nicht viel verändert habe, sei es dort „wie in einer Blase“ gewesen, in der man von dem Virus nur bedingt etwas mitbekomme, so Hinrichs. Privat dann der Kontrast: „Ich bin ein geselliger Mensch, vor allem der ‚Corona-Urlaub’ war eigenartig“, berichtet sie. Es gab häufiger als sonst Reibereien mit ihrem Mann, der von zu Hause aus arbeitet. „Aber als ich dann wieder in der Praxis war, haben alle erzählt, dass es ihnen genauso ging“, sagt sie lachend. Nächstes Jahr möchten sie und ihr Mann nach Brasilien ziehen, sein Heimatland. Ob sie ihre Pläne dann schon umsetzen können wissen sie coronabedingt jedoch noch nicht.

Karoline Möller
Karoline Möller Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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