Jever - Der Breitbandausbau in Friesland schreitet voran, und das wird auch von den Menschen begrüßt. Aber eine Baustelle ohne Vorankündigung mit tiefem Graben unmittelbar vor der Auffahrt einer Arztpraxis? Das geht gar nicht, findet Hausarzt Sascha Leffringhausen. Als er am Montagmorgen zu seiner Praxis in der Bismarckstraße fuhr, „musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich zu meiner eigenen Praxis nicht mehr gelangen kann, da der Landkreis Friesland Baumaßnahmen zum Breitbandausbau vor der Praxistür durchführt.“ Es habe keinerlei Vorankündigung durch die ausführende Firma gegeben. Beim Landkreis als Auftraggeber sei zunächst niemand zu erreichen gewesen.
„Für unsere Praxis ist diese Baumaßnahme ein Ding der Unmöglichkeit, da wir am Montagmorgen extra stark immunsupprimierte (immungeschwächte) Patienten mit laufender Chemotherapie oder im Zustand nach Lungentransplantation zur Blutentnahme einbestellt haben.“ Diese Patienten hätten nun nicht direkt vor der Praxis halten und aussteigen können, um direkt ins Innere zu gelangen, sondern „lange Fußwege mit einem dadurch erhöhten Risiko einer Infektion“ in Kauf nehmen müssen. Gerade in einer Pandemie sollte nach Überzeugung des Arztes eine Praxis zu den besonders zu schützenden Bereichen einer Stadt und des Landkreises zählen, „da hier die ambulante Versorgung der Bevölkerung stattfindet“. Er spricht von einer „massiven Gefährdung“ seiner Patienten, an einem Corona-Pandemie-Montag sei das „eine Katastrophe mit Inkaufnahme einer schweren eventuell tödlichen Infektion von mehreren Patienten“.
„Für unsere Praxis ist diese Baumaßnahme ein Ding der Unmöglichkeit“
Auf Nachfrage erläuterte Kreissprecherin Nicola Karmires, aktuell sei es so, dass die Baufirmen direkt vor Beginn der Maßnahmen die jeweiligen Anwohner informierten. So könne kurzfristig auf die individuellen Wünsche reagiert werden. „Bauarbeiten werden somit auch umgeplant, wenn Zufahrten z. B. offen bleiben müssen. Im genannten Fall wurde somit heute früh auch abgefragt, ob die Baugrube vor der Zufahrt geöffnet werden kann, und hier gab es keine Einwände, so dass die Arbeiten erfolgt sind“, erklärte sie am Montag. Das bestreitet Leffringhausen vehement, im Gegenteil habe er unmissverständlich freien Zugang zur Praxis gefordert. Bis 16 Uhr seien die Arbeiten nicht abgeschlossen gewesen.
Laut Karmires hat der zuständige Sachbearbeiter der Kreisverwaltung „am Montagvormittag eine Mail des Anwohners erhalten und daraufhin um die vorrangige Erledigung der Bauarbeiten gebeten“, danach habe er diesen auch darüber informiert. „Eine Vorankündigung mit mehreren Tagen Vorlauf ist derzeit nicht immer möglich, deswegen erfolgt aber unmittelbar vor Beginn der Arbeiten eine Rückfrage bei den Anwohnern und eine individuelle Abstimmung.“
