Jever/Varel -

Herr Hinrichs wenn schwerkranke Menschen ihre letzte Lebensphase im Hospiz verbringen möchten, können sie das auch in diesen Tagen weiterhin tun?

Maik Hinrichs: Klares Ja. Es entspricht unserer besonderen Haltung, dass niemand alleine sterben muss, sondern von Mitmenschen begleitet wird. Wenn Menschen nicht mehr lange zu leben haben, dann ist es gut, einen Ort zu haben, an dem sie ihre letzten Lebenstage in Würde verbringen können. Unsere Hospize sind solche Orte. Hier leben Menschen in Würde bis zuletzt, hier sind wir für sie da.

Herr Ebens: Sie haben zum 15. Mai 2020 die Leitung des Friedel-Orth-Hospizes in Jever übernommen. Haben Sie sich gleich zu Anfang mit Hygienemaßnahmen befassen müssen?

Dirk Ebens: Besondere Hygiene gehört in unseren Hospizen zum Standard. Die Anpassung und Erweiterung vorhandener Konzepte auf Corona-spezifische Anforderungen sind durch die Hospiz-Trägergesellschaft mission:lebenshaus gGmbH frühzeitig zentral erfolgt und umgesetzt worden.

Somit sind auch Besuche durch Angehörige und Freunde möglich?

Dirk Ebens: Ja, auch diese Möglichkeit ist grundsätzlich gegeben, verständlicherweise insbesondere für die nahen Bezugspersonen unserer Gäste. Bei der Besuchsregelung sind zurzeit bei uns – wie anderswo auch – mögliche behördliche Verfügungen zu beachten. Auch wir selbst können unsere Arbeit nicht wie gewohnt durch Informations- und sonstige Veranstaltungen präsentieren. Das beeinflusst leider auch die notwendige Unterstützung durch Spendengelder, auf die wir für unsere Hospizarbeit so sehr angewiesen sind.

Herr Hinrichs, wie gehen die hauptamtlichen Mitarbeiter mit der Situation während der Corona-Pandemie um?

Maik Hinrichs: Weiterhin hochprofessionell. In der Regel kommen ja schwerkranke Menschen mit einer hohen Symptomlast zu uns, sodass unter anderem auch Schmerzlinderung eine wichtige Aufgabe darstellt. Natürlich spüren alle Mitarbeitenden die derzeit außergewöhnlichen Bedingungen, aber umso mehr versuchen sie, unseren Gästen wie gewohnt jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Deren verbleibende Zeit wollen wir mit Leben füllen. Da spielt zur Zeit auch eine große Menge Kreativität eine Rolle.

Herr Hinrichs, Herr Ebens, aktuell müssen Sie beide auf die Mitarbeit ehrenamtlich tätiger Kräfte verzichten. Wie wirkt sich das aus?

Hinrichs/Ebers: Das Ehrenamt ist eine unverzichtbare Stütze in der Hospizarbeit. Natürlich fehlt es daher in der vielfältigen Palette ehrenamtlichen Engagements momentan an der einen und anderen Stelle. Auch unsere Ehrenamtlichen wünschen sich, ihre hilfreiche Unterstützung wieder einbringen zu können. Wir alle hoffen, dass das in absehbarer Zeit wieder in vollem Umfang möglich sein wird. Ein erster Anfang ist bereits gemacht.