Jever - Sie proben und proben und proben – und das auch noch unter erschwerten Bedingungen. Dabei wissen die Schüler der Musical-AG am Mariengymnasium noch nicht einmal, ob sie ihr neues Stück überhaupt aufführen können. Oder wie oft. So ist das momentan eben – alles ist ungewiss.
Alles abgesagt
Eigentlich hatten die Schüler des Mariengymnasiums im vergangenen Jahr schon alles geplant und vorbereitet. Unter der Regie von Jens Marnowsky wollten sie „Homo Empathicus“ aufführen, dann kam Corona. „Das Stück dann einfach dieses Jahr aufzuführen, kam auch nicht infrage“, so Marnowsky. „Es ist auf Nähe konzipiert, das können wir jetzt natürlich nicht umsetzen.“
Also musste ein anderes Musical her. Die Wahl fiel auf „Haltestelle. Geister“ von Helmut Krausser. „Das können wir mit Abstand zueinander aufführen“, sagt Marnowsky. Es gibt mehrere Szenen, die nacheinander gespielt werden – so stehen nicht zu viele zu dicht beieinander.
Nur bei gutem Wetter
Doch Abstand allein ist nicht alles: Das Stück soll auch unter freiem Himmel im Pausenhof präsentiert werden. Da aber viel Technik und viele Instrumente dabei sind, muss das Wetter dafür perfekt sein.
Und deshalb wird es so ablaufen: Die Aufführungen sollen in der Zeit zwischen dem 6. und 16. Juli stattfinden. Je nach Wetter wird kurzfristig entschieden, ob gespielt werden kann oder eben nicht. Entweder gibt es eine, mehrere – oder im schlimmsten Fall gar keine Aufführung. Karten gibt’s deshalb nur an der Abendkasse. Auf der Internetseite der Musical-AG steht immer tagesaktuell, ob gespielt wird. Je nach Corona-Lage und Regeln, die in der Zeit gelten, muss der Zuschauer eventuell einen negativen Test vorweisen. „Das können wir aber jetzt noch gar nicht genau sagen.“
Positive Einstellung
Bis dahin müssen die Schüler noch gemeinsam proben und sich aufeinander abstimmen. Schließlich können sie überhaupt erst seit etwa drei Wochen zusammen auf der Bühne stehen. Vorher lief das alles etwas anders ab, wie Marnowsky berichtet. „Vier Monate lang konnten wir nur online proben, die Texte haben wir über Videokonferenzen einstudiert.“ Auch die Musiker hatten auf diese Weise nur Einzelunterricht. Denn vor allem die Blasinstrumente durften aufgrund der Corona-Situation nicht in der Gruppe gespielt werden. „Die Musiker haben sich auch mal jeweils in einen Klassenraum gestellt – und ich stand im Flur und habe alle zusammen angehört.“
Hier ist eben Kreativität gefragt. Aber das haben die Schüler der AG allemal. Genauso wie eine positive Einstellung. „Ich bin sehr begeistert und dankbar, dass die Schüler das alles so mittragen. Denn das ist alles nicht einfach“, meint Marnowsky. Die ganze Aufführung steht eben unter einem großen „Trotzdem“. Maske? Abstand? Online-Proben? Schwierige Lage? Egal: Sie spielen trotzdem.
Worum geht’s im Stück?
Eine Bushaltestelle im Nirgendwo. Auf einer Bank sitzt eine Frau, die von sich behauptet, eine Prinzessin von einem fernen Planeten zu sein. Ein junger Mann von einem Grillimbiss will sich ihr nähern, aber sie missverstehen sich komplett.
Ein älterer Mann versucht, drei drogenabhängigen Straßenmädchen höflich zu begegnen, wird aber ausgeraubt. Ob seine Absichten wirklich so harmlos waren, bleibt offen.
Drogendealer Rico kommt zur Haltestelle, seinem Revier, und verteilt nach und nach seine Pillen. Die Prinzessin ist seine Stammkundin.
Ein Mann, der sich im Internet mit einer Frau verabredet hat, ist frustriert, weil die Frau nicht erschienen ist....
So tauchen nach und nach Figuren im ersten Teil des Stückes auf. Dann, im zweiten Teil, kommen Personen, die zu Tode gekommen sind, als Geister zurück auf die Bühne. Hierzu zählt zum Beispiel eines der Straßenmädchen, vom älteren Mann überfahren, der danach Selbstmord begangen hat. Auch Rico, der sich aus Versehen selbst erschossen hat, gehört dazu.
Ein Obdachloser hat die Gabe, die Stimmen dieser Geister zu hören. Er gibt die Botschaften an die noch Lebenden weiter. Leider versteht der Mann nicht immer alles – und selten richtig.
„Haltestelle. Geister“ von Helmut Krausser ist empfohlen für Zuschauer ab 16 Jahre. 15 Schülerinnen und Schüler spielen, singen und tanzen und elf musizieren gemeinsam mit Jens Marnowsky, der auch die Regie führt. Für die Choreographie ist Meic Stephan zuständig.
Karten für das Musical gibt es ausschließlich an der Abendkasse, ob das Stück im Pausenhof des Mariengymnasiums aufgeführt wird, steht immer tagesaktuell auf der Internetseite. Der Zeitraum, in dem die Aufführungen stattfinden sollen: 6. bis 16. Juli. Die Einlassbedingungen (Coronatest) werden noch festgelegt.
