Jever - Martin Luther wird das Zitat zugeschrieben, dass ein Mann in seinem Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen sollte. Manches in dieser Weisheit, nämlich die Fokussierung auf das männliche Geschlecht, hat sich über die Jahrhunderte überlebt. Die Sache mit dem Baum jedoch hat in den Augen vieler Zeitgenossen Gültigkeit behalten, weshalb Hermann Neunaber, Vorsitzender der Stiftung Schloss Jever eben jenes Zitat gestern bemühte.

Mit einer Esskastanie und einem Walnussbaum wurden gestern gleich zwei neue Bäume im Schlosspark in Jever gepflanzt. Den Spaten hatten jedoch entgegen Luthers Überzeugung nicht nur Männer in der Hand, sondern eben auch Frauen, allen voran Frieslands Erste Kreisrätin Silke Vogelbusch, die den Walnussbaum aus privaten Mitteln gestiftet hatte.

Insgesamt kamen 1800 Euro zusammen, als sich der Stiftungskreis zu seinem zehnjährigen Jahrestag Spenden für einen Walnussbaum wünschte. Am Ende war nicht nur Geld für einen, sondern gleich zwei Bäume vorhanden. So kam die Esskastanie hinzu und es blieb auch etwas Geld für eine insektenfreundliche Rahmenbepflanzung.

Die nächste Herausforderung war es, geeignete Orte für die Bäume zu finden. Der Walnussbaum steht inmitten einer großen Wiese in der Sichtachse des Schlosses. Die Esskastanie säumt den Rahmen an der Graft und kaschiert künftig den Blick auf den gräulichen Waschbeton-Bau des benachbarten Mariengymnasiums.

Die Standortwahl hat durchaus Ewigkeitscharakter, wie Schlossmuseumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander und Schlossgärtner Thomas Werner erkennen ließen. Der „kleine, aber feine“ (Sander) Schlosspark in Jever gehört zu den ältesten und gelungensten englischen Parks im Nordwesten. Man könne mit einem Bilderrahmen durchlaufen und finde eine malerische Perspektive nach der anderen, wie die Museumsleiterin sagte. Eben drum seid die Standortwahl knifflig gewesen. Viele Bäume in dem Ensemble sind bereits 200 Jahre alt.

Für Walnuss und Kastanie habe man sich entschieden, da diese Bäume in einer Tradition stehen. Sie galten in früheren Zeiten aufgrund ihrer Früchte als nährend. Das war eine noble Geste des Fürsten gegenüber seinen Untertanen. Und die beiden Baumarten sollen überdies mit den milderen Bedingungen infolge des Klimawandels gut zurechtkommen, wie Antje Sander ergänzte. Vorausgesetzt, die Nordsee überspüle in 200 Jahren nicht alles. Aber wie sagte schon Luther? „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“