JEVER/WITTMUND - Was für ein Privileg, eineinhalb Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt zu wohnen. Keine fünf Minuten mit dem Rad unterwegs, keine Viertelstunde zu Fuß, jeden Tag ein bisschen Sport, frische Luft und keine Parkplatzprobleme. Jahrzehntelang ging das so, und dann plötzlich: Jobwechsel, neuer Arbeitsplatz. Auf einmal ist man Pendler. Was nun?

Ganz ohne Zweitwagen ist man bisher schon nicht ausgekommen, also ist es naheliegend, ihn von nun an täglich zu bewegen. Andererseits: Reden wir nicht ständig vom Klimawandel und dass jeder Einzelne dazu beitragen muss, den Ausstoß an Kohlen- und Stickoxiden zu verringern? Hat nicht der ADAC eben erst wieder vorgerechnet, was jeder gefahrene Autokilometer tatsächlich kostet, wenn man nicht nur den Sprit, sondern auch Wertverlust, Verschleiß, Wartung, Reparaturen, Versicherung und Steuern rechnet?

Man kommt ins Grübeln, denkt über Alternativen nach. Die gibt es. Aber was sind die Vorteile, was die Nachteile? Spielen wir es einfach mal durch.

Die neue Strecke: Jever-Wittmund. Luftlinie 7,25 Kilometer, diese Entfernung gilt es zu überwinden. Man könnte zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren, den Bus oder die Bahn nehmen, man könnte trampen, eine Fahrgemeinschaft bilden. Oder den Arbeitgeber bitten, zu Hause, im Home Office, arbeiten zu dürfen.

Zu berücksichtigen ist auch: Die bisherige Gewohnheit war, in der Mittagspause nach Hause zu fahren und mit der Familie zu essen. Wird das noch gehen?

Zu Fuß

Vorteil:

Kostenlos, frische Luft, viel Bewegung.

Nachteil:

Man wäre morgens einunddreiviertel Stunden unterwegs und abends noch einmal; die Mittagspause zu Hause fiele flach. Der kürzeste Weg führt die viel befahrene Bundesstraße entlang. Wind und Wetter können ihn sehr beschwerlich machen.

Fazit:

Keine ernsthafte Option.

Mit dem Fahrrad

Vorteil:

Fast kostenlos, frische Luft, viel Bewegung. Die benötigte Zeit - weniger als eine halbe Stunde für eine Strecke von neun Kilometern - entspricht bei Hin- und Rückfahrt dem, was Mediziner an sportlicher Betätigung ohnehin empfehlen. Der Arbeitgeber bietet außerdem ein attraktives Leasingmodell für Diensträder zur privaten Nutzung an.

Nachteil:

Wind- und wetterabhängig, manchmal sehr beschwerlich. Die Mittagspause ist für eine Heimfahrt zu kurz, im Winter fährt man morgens und abends im Dunkeln. Im Betrieb gibt es keine Duschen und Umkleiden für den Fall, dass man beim Radeln ins Schwitzen kommt.

Fazit:

Kommt als gelegentliche Alternative in Frage, als ganzjährige Lösung eher nicht.

Mit dem Bus

Vorteil:

Günstiger Preis (Monatskarte 67,60 Euro), kurzer Weg zum ZOB in Jever, nur zwei Minuten zu Fuß. Am Arbeitsplatz Bushaltestelle direkt vor der Tür. Gute Fahrtmöglichkeiten auf der Hinfahrt ab 7 Uhr.

Nachteil:

In den Ferien fahren die Busse nicht. Kein Stundentakt. Rückfahrt entweder sehr früh (16.05 Uhr) oder recht spät (18.48 Uhr). Insgesamt fehlende Flexibilität. Und es ist keine Mittagspause zu Hause möglich.

Fazit:

Wäre machbar, lässt sich aber mit den variablen Arbeitszeiten nicht ganz leicht vereinbaren.

Mit der Bahn

Vorteil:

Günstiger Preis (Monatskarte 66,10 Euro). Kurzer Weg zum ZOB in Jever, nur zwei Minuten zu Fuß. Fahrtmöglichkeiten stündlich von 6.35 Uhr (Hinweg) bis 22.14 Uhr (Rückfahrt), daher relativ flexibel. Unterwegs kann man lesen oder schon arbeiten.

Nachteil:

Relativ langer Fußweg in Wittmund - knapp ein Kilometer. Fahr- und Gehzeit ist mit je 25 Minuten plus Wartezeiten deutlich länger als die Autofahrt. Die Mittagspause zu Hause lohnt sich nicht.

Fazit:

Ist eine Alternative, wenn man den Zeitaufwand nicht scheut und nicht gehbehindert ist.

Bahn und Fahrrad

Vorteil:

Der Zeitaufwand ließe sich gegenüber der reinen Bahnfahrt (plus Fußweg) um rund zehn Minuten pro Richtung verkürzen.

Nachteil:

Hohe Kosten. Das Fahrrad-Mitnahme-Ticket kostet fünf Euro pro Tag - macht im Monat mehr als 100 Euro. Es gibt kein Fahrrad-Monatsticket.

Fazit:

Zu teuer.

Fahrgemeinschaft

Vorteil:

Kosten durch zwei, drei oder vier teilen. Unterwegs erfährt man den neuesten Tratsch.

Nachteil:

Feste Absprachen nötig, geringe Flexibilität. Umwege.

Fazit:

In meinem Job nur schwer möglich.

Trampen

Vorteil:

Kostet nichts.

Nachteil:

Keine Sicherheit, überhaupt oder rechtzeitig anzukommen. Und das Risiko fährt immer mit.

Fazit:

Auch keine Lösung.

Home Office

Vorteil:

Keine Fahrzeit, keine Wegekosten, ungestörtes Arbeiten.

Nachteil:

Schlechtere Kommunikation mit dem Team, weniger Informationsfluss, leichteres Ablenken durch private Dinge.

Fazit:

Angenehme Alternative für wenige Tage im Jahr - wenn der Arbeitgeber mitspielt.

Auto

Vorteil:

Geringer Zeitaufwand (13 Minuten), hohe Flexibilität. Unterwegs kann man Nachrichten oder Musik hören, per Freisprechanlage schon mal dienstliche Gespräche führen. Oder die Gedanken schweifen lassen. Und die tägliche Mittagspause zu Hause ist kein Problem.

Nachteil:

Manchmal ein schlechtes Gewissen.

Fazit:

Ganz ohne Auto geht es sowieso nicht. Aber ab und zu könnte man es schon stehen lassen und sich in den Zug, den Bus oder aufs Rad setzen.