Jeverland - „Die Pandemie zeigt auch bei den Verkehrsunfallzahlen eine deutliche Wirkung.“ So beginnt Bernd-Rainer Otten, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes beim Polizeikommissariat Jever, die Präsentation der Verkehrsunfallzahlen für das Jahr 2020.
999 Verkehrsunfälle haben sich 2020 im Zuständigkeitsbereich des Kommissariats ereignet, zu dem die Städte Jever und Schortens sowie die Gemeinden Sande, Wangerland, Wangerooge gehören.
Gegenüber 2019 mit 1249 Verkehrsunfällen ist bei einem Rückgang von 20 Prozent der niedrigste Stand der vergangenen zehn Jahre erreicht. Dies dürfte nach Einschätzung der Polizei auch auf Pandemie-bedingte Bewegungseinschränkungen zurückzuführen sein. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist daher nur bedingt möglich.
Mit Blick auf die Kommunen verteilen sich die Verkehrsunfälle wie folgt:
Stadt Jever: -23 % (2020: 291, 2019: 377); 60 Verletzte (2019: 74)
Stadt Schortens: -21 % (2020: 312, 2019: 393); 79 Verletzte (2019: 96)
Gemeinde Wangerland: -7 % (2020: 220, 2019: 236); 51 Verletzte (2019: 51)
Gemeinde Sande: -28 % (2020: 173, 2019: 241); 35 Verletzte (2019: 55)
Einen deutlichen Rückgang von 18 Prozent gibt es bei der Anzahl der verletzten Menschen (2020: 227). Hingegen ist die Zahl der schwer verletzten Menschen von 44 auf 57 gestiegen (29 %). Im vergangenen Jahr sind drei Menschen ums Leben gekommen (2019: 4).
Radfahrer
Die Anzahl der Unfälle mit beteiligten Radfahrern hat sich von 2019 (105) im Jahr 2020 auf 82 verringert (-22 %). 53 Radfahrer wurden leicht und 16 schwer verletzt.
An 17 Unfällen waren Pedelecs (E-Bikes) beteiligt (2019: 23). Dabei wurden zehn Menschen leicht und fünf schwer verletzt. Auch wenn es hier einen Rückgang von 26 Prozent gab, stellen die Unfälle mit Pedelecs ein besonderes Risikopotenzial dar, da die Unfallfolgen häufig mit erheblichen Verletzungen verbunden sind.
Betroffen sind in erster Linie Menschen ab 65 Jahre. Für diese Zielgruppe ist das Verkehrssicherheitsprogramm „Fit mit dem Pedelec“ geschaffen worden, das in Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verkehrswacht ausgebaut wurde.
Schwere Unfallfolgen lassen sich verringern oder vermeiden, wenn beim Fahrradfahren ein Helm getragen wird. Bernd-Rainer Otten empfiehlt dies grundsätzlich, unabhängig davon, welche Arten von Fahrrädern genutzt würden. Auch das Tragen von reflektierender Kleidung (zum Beispiel Warnweste) erhöhe die Sichtbarkeit im Straßenverkehr sehr.
42 Senioren verletzt
Die Anzahl der verletzten Menschen in der Altersgruppe 18 bis 24 ging leicht von 34 auf 30 zurück. Ein junger Fahrer wurde tödlich verletzt. 22 verletzten sich leicht und sieben schwer. Auch diese Gruppe wird laut Polizei weiter als altersspezifische Risikogruppe zu betrachten sein. Gezielt für die 18- bis 24-Jährigen ist das Fahrsicherheitstraining des Landkreises Friesland mit Polizei, Fahrlehrerverband, Verkehrswacht Jeverland und DRK gedacht.
An den Unfällen waren 264 Seniorinnen und Senioren (ab 65) beteiligt. Gegenüber 2019 (367) stellt dies einen Rückgang von 28 % dar. Mit 187 Fällen ist diese Zielgruppe als Verursacher des Unfalls ebenfalls deutlich rückläufig (-25 %, 2019: 248). 42 Senioren haben sich verletzt, davon 23 schwer (+ 53 %, 2019: 15). Trotz rückläufiger Zahlen sollten die Älteren nach wie vor als im Straßenverkehr besonders gefährdete Zielgruppe betrachtet werden.
Unfallursachen
Im vergangenen Jahr konnten wieder die klassischen Hauptunfallursachen festgestellt werden:
überhöhte Geschwindigkeit: 2020: 48, 2019: 59
zu geringer Abstand: 2020: 244, 2019: 336
Missachtung der Vorfahrt: 2020: 86, 2019: 86
Fehler beim Abbiegen: 2020: 30, 2019: 37
Alkohol und Drogen
Im Jahr 2020 wurden im Bereich des Polizeikommissariats Jever 22 Verkehrsunfälle unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten aufgenommen. Dies stellt einen Rückgang von 15 % dar (2019: 26 Unfälle).
Die Fahrten unter dem Einfluss von Alkohol ohne Verkehrsunfall haben sich im Vergleich zum Vorjahr von 72 auf 41 verringert (-43 %). Allerdings ergab sich eine deutliche Zunahme (154 %) bei Fahrten unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln ohne Unfall (2020: 56, 2019: 22). Die Zahl der Verstöße unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln beziehungsweise Medikamenten übersteigt erstmals die Zahl der Verstöße mit Alkohol.
Dies macht laut Polizei deutlich, wie wichtig die Schulung der Polizeibediensteten in der Erkennung solcher Verstöße ist. Die Fortbildung in diesem Bereich werde daher weiterhin auf einem hohen Niveau betrieben.
Die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten hat sich um 16 % reduziert (2020: 261, 2019: 311). Die Aufklärungsquote ist hingegen von 44 % auf 47 % gestiegen. Von 13 Unfallfluchten mit Verletzten wurden 7 (54 %) aufgeklärt. Erneut hat sich bei dieser Straftat, „die keinesfalls als Kavaliersdelikt zu werten ist“, herausgestellt, dass gerade dem Vorhandensein von Zeugen und Bürgerhinweisen ein großer Erfolgsfaktor bei der Aufklärungsarbeit zugeschrieben werden kann.
Fazit
Insgesamt sind die Entwicklungen der Verkehrsunfallzahlen und Verkehrsunfallfolgen aus Sicht der Polizei erfreulich, gleichwohl sei jeder durch den Straßenverkehr verletzte oder gar getötete Mensch einer zu viel. Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer genießt eine hohe Priorität. „Die Unfallzahlen sind daher möglichst nachhaltig durch gezielte Maßnahmen der Verkehrsüberwachung auf einem niedrigen Niveau zu halten“, heißt es in der Statistik.
Besonders die Altersgruppen der Senioren sowie der Fahranfänger werden weiterhin im Blickpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit stehen. Ebenso bildet die Verkehrssituation auf der B 210 einen Schwerpunkt.
Bei der Verkehrsüberwachung sind die Themen Geschwindigkeit und Alkohol/Drogen sowie die Ablenkung oder Handynutzung von besonderer Bedeutung für die Polizei. „Gegenseitige Rücksichtnahme und regelkonformes Verhalten im Straßenverkehr mit Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfallprävention bilden die Grundlage für mehr Sicherheit im Straßenverkehr“, fasst Bernd-Rainer Otten die Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik zusammen.
