Jever - „Die NS-Zeit und ihre Erforschung ist noch immer ein heißes Eisen, sie heizt allerorts Diskussionen an“, sagte Dr. Matthias Nistal vom Landesarchiv in Oldenburg, der jetzt in Jever auf Einladung des Altertums- und Heimatvereins zur Überlieferung des Nationalsozialismus’ referierte. Er stellte die Arbeit des Landesarchivs vor und zeigte anhand einiger Beispiele auch aus Jever, dass die nicht nur trocken und staubig ist.

Immer noch sei weit verbreitete Meinung, man solle doch „endlich mit den alten Geschichten aufhören“. Entsprechend sei auch der hinhaltende Widerstand der örtlichen Behörden, ihre Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus’ an das Landesarchiv abzugeben, deutlich spürbar gewesen, sagte Nistal.

In der Nachkriegszeit sei eine beliebte Ausrede gewesen, die Engländer hätten Akten beschlagnahmt – „was teilweise auch stimmte, teilweise aber auch nicht“.

Spektakulär war unter anderem der Fund von Akten in der Abseite auf dem Dachboden des Gesundheitsamts in Jever. Schon zuvor war ein Großteil dieser Akten vernichtet worden, als die Gesundheitsämter Jever und Wittmund in den 1970er Jahren zusammengelegt worden waren, um „Umzugskosten zu sparen“. Die Akten in der Abseite hatte man schlicht vergessen.

Auch von anderen Funden in Jever konnte er berichten. So habe er einen Schrank. mit den Türen zur Wand gestellt. auf dem Dachboden entdeckt – voller wichtiger Akten. Auch im Rathaus Jever habe es einen Raum gegeben – hinter dem Raucherzimmer – voller Akten über Rats- und Ausschusssitzungen von den 1920er bis in die 1960er Jahre.

Und dieser Raum muss bekannt gewesen sein, meint Nistal: Ist doch das Rathaus Jever bis auf die Fassade in den 1960er Jahren umgebaut worden.