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NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Jever

Püttbier: Vor der Aufnahme steht die „Rasur“

11.01.2017

Jever Ob mit nächtlichem Pottdeckel-Geklimper, Lärm und Musik oder Gesang und Lichtern: Die Jeveraner feierten in der Nacht zu Dienstag Püttbier, zogen um Mitternacht zu ihren geschmückten Brunnen und Amtskette und Zylinder wurden weitergereicht.

Die Regelung des Brunnenwesens vor mehr als 400 Jahren ist ein Fest zur Pflege der Nachbarschaft geworden. Das Püttbier war schon immer ein Fest der Fröhlichkeit. So feierten die jeverschen Püttachten das Traditionsfest im Sinn nachbarschaftlicher Gemeinschaft – und das schon mehr als zwei Jahrhunderte wie die Gemeinschaft „Bremer Schlüssel“, die Püttacht „Lange Leitung“, die St. Annen-Pütt und Ratspütt.

Aus vielen Chroniken ist zu entnehmen, dass einst nur Männer an der „Sitzung“ teilnahmen. Die Frauen feierten ein eigenes Püttbier und die Püttmeisterin trug als Zeichen ihrer Würde einen kleinen silbernen Söker an einem blauweißen Band. Viele Püttgemeinschaften, insbesondere die Neugründungen, feiern heute gemeinsam mit den Frauen.

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Interessenten feiern

Unterhaltung auf plattdeutsch pflegen die „Interessenten“ der St. Annen-Pütt – so die urkundlich erwähnte Bezeichnung der Püttgenossen – nicht mehr, berichtet Dieter Jürgens. Mit launigen Worten ließ Püttmeister und Butenjeveraner Erich Hinrichs sein Amtsjahr Revue passieren. Der Brunnen, einer der ältesten der Stadt, wird im nächsten Jahr 275 Jahre alt.

In diesem Jahr war auch wieder Altgeselle Alf Krüger dabei und führte durch den Püttabend. 2016 hatte seine Familie ihn trotz Püttbiers zum Verreisen genötigt. Als Nachfolger von Püttmeister Erich Hinrichs erhielt Ingo Theilen die Amtskette. Die Männerrunde dankte Georg Harms mit einer Urkunde für 50-jährige Mitgliedschaft.

Mit dem Inspizieren der Pütt bei Brunnenbesitzer Rolf Ortgies begannen die Mitglieder der Ristpütt ihr 24. Püttfest. Im Kaffeehaus Rahrdum erklang auch ihr Püttlied „Hest du mien Swien al sehn“. Die Amtsnachfolge von Püttmeister Jürgen Lehmann trat Thomas Radowski an.

Wie in den Vorjahren wies die geschmückte und beleuchtete Buskohlpütt schon seit einigen Tagen beim Schützenhof auf das große Ereignis in der Stadt hin. Ihren Namen hat die Pütt vom einstigen Gasthaus „Buskohl“, das vor dem Bau des Schützenhofs auf dem Gelände stand. Die Mitglieder der Buskohlpütt bedankten sich bei Thomas Grohmeier für seine Amtsführung und ernannten Heinrich Fechtmann zum neuen Püttmeister.

Viel gesungen wird bei der Schlesierpütt in Rahrdum, dafür sorgen Herta Reck mit der Handharmonika und Heinz Werdermann mit der Teufelsgeige.

Seit 2008 feiert die Straßengemeinschaft Schlesierweg Püttbier bei den Brunnenbesitzern Anne und Gerd Wilken. Amtsvorgänger Helmut Stratmann übergab die Amtskette um Mitternacht an Anne Wilken.

Vor 43 Jahren wurde als eine der ältesten Püttgemeinschaften der Nachkriegszeit die Müntzpütt an der Kantstraße gegründet. Elise Reck übernahm von ihrem Vorgänger Dieter Kunst Zylinder und Amtskette. Die Püttgemeinschaft freute sich an diesem Abend über Renate und Dieter Kunst, die statt Goldener-Hochzeits-Geschenke Geld erbaten und dafür zwei Bänke in der Stadt aufstellen ließen.

Das 40. Püttbier feierte die Straßengemeinschaft „An der Leide“ in Rahrdum: Als Nachfolger von Maick Schulz regiert Wolfgang Schulz. Diese Pütt wurde 1978, sechs Jahre nach der Eingemeindung der Altgemeinde Cleverns-Sandel nach Jever, in Rahrdum gegründet. In die Püttgemeinschaft wurden Hildegard und Werner Popken aufgenommen und dem Ritual entsprechend „getauft“. Human das „Eintrinken“: Statt wie früher zehn Klare, musste Popken nur drei Gläser trinken.

Kurios ist die Geschichte um die Püttacht „Lange Leitung“, denn eine Pütt gibt es nicht mehr. Weil die Qualität des Wassers dem Bierbrauer Fetköter nicht ausreichte, ließ er 1894 die erste Wasserleitung für die Brauerei vom Wasserwerk Siebetshaus nach Jever legen und versorgte auch die Bewohner der Schlachtstraße mit Wasser. Die Tradition des Püttbiers unterstützte er weiter und lud die Püttgemeinschaft um Mitternacht zum „Wassertest“ in die Brauerei ein. Auch das Friesische Brauhaus pflegt das Brauchtum und dafür sorgte Brauerei-Betriebsleiter Christian Schmidt nicht nur mit einer Wasserprobe.

Ein besonderes Exemplar von einem mobilen Brunnen ist das Modell der Pannewarf-Pütt aus der Bahnhofstraße. 1927 gegründet, gaben die Mitglieder der Püttgemeinschaft 1938 den Auftrag zum Nachbau des Brunnens. Der Vorteil des Modells gegenüber den Traditionspütten: Aus ihm fließt „echtes“ Brunnenwasser. Verziert wurde dieser Brunnen übrigens vom Heimat- und Kunstmaler Artur Eden-Sillenstede. Er malte das Jever-Wappen und den Namen der Püttacht auf den Brunnen.

Kampütte am größten

Die Tradition zu bewahren ist auch das Ziel der Püttacht Bremer Schlüssel, die sich seit vielen Jahren am Alten Markt in der „Pütt“ trifft, die früher einmal „Bremer Schlüssel“ hieß. Im nächsten Jahr wird die Traditionspütt 250 Jahre alt. Torsten Borchardt übergab sein Amt an den neuen Püttmeister Holger Helmerichs.

„Wir sind mittlerweile Mitgliedermäßig die kleinste Püttgemeinschaft, haben aber die größte Pütt“, berichtete Kampüttmeister Lothar Ammen, bevor er sein Amt an Bernd Adden übergab. Krankheitsbedingt war die Gemeinschaft, die im „Goldenen Anker“ tagte, auf drei Teilnehmer geschrumpft.

„Wir brauchen dringend Nachwuchs“, betonte Lothar Ammen, der mit Bernd Adden und Helmut Henkel die gelungene Erneuerung des alten Brunnenhauses lobte.

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