Hooksiel - Schock und Verunsicherung hatte das Gutachten zum Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel ausgelöst, nach dem mindestens 15 Millionen Euro nötig seien, um auch nur einen Neuzustand wiederherzustellen. Die Kosten für weitere Vorhaben, um das Bad attraktiver zu machen, kämen oben drauf. Kein Wunder also, dass die von der Bürgerinitiative zum Erhalt des „HWB“ einberufene Informationsveranstaltung am Freitagabend den Saal im Bad schier sprengte.
„Das HWB soll und muss erhalten bleiben“, erklärte Günter Schmöckel eingangs, und in den Beifall dafür fielen auch Abordnungen von DLRG und der Feuerwehr ein, die von einer Schließung ebenfalls betroffen wären. Eines stand nach eineinhalb intensiven Stunden fest: Sollte der Gemeinderat das Aus für das Hallenbad beschließen, würde es ein erneutes Bürgerbegehren zum Erhalt geben. Dafür erhielt die BI am Ende des Abends ebenso eine überwältigende Zustimmung wie für die Forderung an den Rat als Gesellschafterin der Wangerland Touristik GmbH (WTG), umgehend für ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren zu sorgen, um so interessierten Investoren eine rechtssichere Planung zu ermöglichen.
Abriss schon geplant?
BI-Sprecher Dietrich Gabbey ging zunächst auf das Gutachten der Bielefelder Firma „Constrata“ ein. Das suggeriere enorme Schwachstellen und den Eindruck eines dringenden Handlungsbedarfs. Die Hälfte der 32 Seiten enthalte jedoch nur Bilder. Andererseits sei aber bereits auch ein Schadstoffkataster für Rückbau oder Abriss enthalten. Im Gegensatz zu Bürgermeister Mario Szlezak hat die Bürgerinitiative Zweifel am Gutachten und ein Berliner Ingenieurbüro für Betontechnologie eingeschaltet. Man müsse zwar deren Bewertung abwarten, doch habe es bereits signalisiert, dass manche Mängel wohl mit Chemie und Technik zu bewältigen seien.
Im Übrigen erinnerte Gabbey an den sogenannten Betrauungsakt von 2013, nach dem das HWB als unverzichtbarer Bestandteil des Tourismus in Hooksiel gelte. Und noch am 12. August 2020 habe der Gemeinderat einstimmig für den Erhalt der 1983 erbauten Einrichtung votiert.
Dazu bekannte Bürgermeister Szlezak: „Es steht nicht im Raum, das Bad plattzumachen.“ Die BI hatte ihm eine bessere Zusammenarbeit als mit dem Vorgänger bescheinigt. Und die BI begrüßt Szlezaks Zusage, unverzüglich das Interessenbekundungsverfahren einzuleiten, zumal es einen konkreten Investor mit einem Konzept gebe.
Keine Verkaufsabsichten
Der wegen angeblicher Versäumnisse gescholtene WTG-Geschäftsführer Armin Kanning nannte die Argumente der BI „erläuterungsbedürftig“. Die Wartungsarbeiten seien stets regelmäßig erfolgt, und für die WTG gelte nach wie vor der Auftrag, das Bad zu erhalten und attraktiver zu machen.
Im Übrigen widersprach Kanning der Annahme, dass es Verkaufsabsichten gebe. Vielmehr solle das HWB im Eigentum der WTG bleiben, aber mit dem Ziel eines „frischen Investments“.
Verunsicherung streute dann Dieter Schäfermeier, Ratsherr (Pro Wangerland) und ehemals Sprecher der BI. Die im Raum stehenden 15 Millionen Euro allein für die Instandsetzung seien „ungefangene Fische“, denn die stünden nirgendwo im Gutachten. Das Zahlenwerk dazu liegt zwar noch nicht vor, die genannte Zahl aber stammt von einem Mitarbeiter der Gutachterfirma.
