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NWZonline.de Region

Jubiläum wohl ohne Meteorit

30.08.2013

Bissel Es war am 10. September 1930, als Bewohner zwischen Vechta, Cloppenburg, Garrel, Wildeshausen und Wardenburg um etwa 14.15 Uhr plötzlich durch einen starken Knall, anschließendes, lautes Sausen und Pfeifen und einen zweiten Knall erschreckt wurden. Der Landwirt Johann Schnieders aus Halenhorst, der auf seinem Fahrrad nach Bissel unterwegs war, hatte das Gefühl, das etwas dicht über seinen Kopf hinwegflog. In viereinhalb Kilometern Entfernung hatte auf der Heide bei Beverbruch der Schäfer Klemens Bley ein ähnliches Erlebnis. Beide sahen, wie ganz in ihrer Nähe Sand und Heide in die Luft gewirbelt wurden, heißt es in überlieferten Protokollen.

In großer Höhe gespalten

Nachdem der erste Schreck überwunden war, schauten die Leute sich die Einschlagstellen damals an. Ausgegraben wurden mit Helfern an den beiden Orten jeweils zwei schwere schwarze Steine, die, wie sich später herausstelle, zusammengehörten. Ein Meteorit, der in großer Höhe gespalten wurde, bevor er auf die Erde prallte, wie Heimatforscher Dirk Faß berichtet.

Die beiden Steinhälften gingen laut Faß als „Stein Bissel“ (4,85 kg) und „Stein Beverbruch“ (11,730 kg) in die Geschichte ein. Wo genau der Stein in Bissel herunterkam, kann anhand alter Unterlagen des Katasteramtes bestimmt werden.

Fünf Kilometer und 83 Jahre vom „Bissel“-Fund entfernt sitzt Dirk Faß (58) in seinem Haus voller Bücher, Zeitungen und Papiere. Faß, ein ehemaliger Postbeamter, ist ehrenamtlicher Archivpfleger der Gemeinde Großenkneten. Zur 200-Jahr-Feier des Dorfes Bissel Ende August hat er einen wichtigen Job übernommen: Er soll den Meteoriten Bissel zurückbringen, damit er beim Dorffest gezeigt werden kann. Faß möchte am liebsten am Fundort des Meteoriten eine Infotafel aufstellen. „Ich suche noch Sponsoren“, sagt er. Die Fundstelle des Meteoriten wäre durchaus auch einen touristischen Abstecher, zum Beispiel bei Gästeführungen, wert.

Das hat schon einmal geklappt, 1995 war das. Faß lieh den Stein aus dem Museumsdorf Cloppenburg aus. Die Gemeinde musste den Stein versichern, Faß unterschrieb viele Formulare, „ordentlich mit Doppeldurchschlag“, betont er. Den Meteoriten bewahrte er unter seinem Bett auf, damit er nicht gestohlen wird. Das war schlau; nach der Ausstellung konnte er ihn unversehrt wieder beim Museum abliefern.

Eine Hälfte verkauft

Einige Meteoritenfans sagen heute, Faß hätte den Stein lieber behalten sollen. Zeitungsartikel und Briefwechsel zeichnen die Spur des Steines nach. Landwirt Schnieders und Schäfer Bley hatten ihren Fund demnach an den Dorflehrer Konrad Meyer aus Nikolausdorf verkauft. Der gab die Steine weiter an das Museumsdorf: „Beverbruch“ als Leihgabe, „Bissel“ zum Eigentum. „Beverbruch“ wurde dann später von einer Erbin Meyers an einen Sammler in aus Bayern verkauft. Über den Preis vereinbarte man Stillschweigen,

„Ja, das war ein Ding!“, erinnert sich der Beverbrucher Gastwirt Otto König (58), Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins. Er wollte eigentlich die beiden Meteorit-Bruchstücke zum Dorffest in Beverbruch wiedervereinen, aber daraus wurde nichts, „,Bissel‘ war ja nicht zu finden“.

Es gibt ein Foto aus dem Jahr 2000 aus dem Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch, es zeigt „Bissel“ in einer Vitrine der Meteoritenausstellung. Das ist die letzte Spur des Steins.

Anfang 2012 plante das Landesmuseum in Oldenburg eine zweite Meteoritenschau. Es fragte im Museumsdorf Cloppenburg an, ob es den Stein „Bissel“ erneut leihen könne. Na klar, hieß es im Museumsdorf – aber als man den Stein aus dem Depot holen wollte, war er nicht dort, wo er sein sollte.

Professor Dr. Uwe Meiners, Direktor des Museumsdorfes Cloppenburg: „Das ist sehr, sehr ärgerlich.“ Er geht davon aus, dass der Stein im Museum von einem Mitarbeiter falsch abgelegt wurde, „so etwas kann vorkommen“. Allerdings gibt es keinen Nachweis darüber, dass der Stein je aus Oldenburg zurückgegeben wurde. „Es gibt keinen Vorgang mehr darüber.“ In beiden Häusern werde nun „intensivst“ nach dem Stein gefahndet.

Das Dorfjubiläum in Bissel wird wohl ohne Meteorit gefeiert werden müssen, befürchtet Dirk Faß. Professor Meiners allerdings sagt: „Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.“ Dann wird sein Ton schärfer: „Aber eines sage ich ganz klar: Ein solches Stück zieht man nicht im Bollerwagen durch die Gegend! Für einen solchen Zweck würden wir es nicht zur Verfügung stellen.“

Klaus Derke
Hude
Redaktion Hude
Tel:
04408 9988 2721
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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