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Boxen: Als Schulz durch eine Niederlage zum Sieger wurde

22.04.2015

Berlin Sein Erfolg misst sich an seinen Niederlagen. Jeweils drei Pleiten in WM- und EM-Kämpfen konnten dem Berufsboxer Axel Schulz nichts anhaben. Nicht zu aktiven Zeiten und erst recht nicht danach. „Mein Leben ist schön, besser kann es gar nicht sein“, resümiert der 46-jährige Ex-Schwergewichtler seinen Status quo. Seine wichtigste Niederlage jährt sich an diesem Mittwoch zum 20. Mal.

„Ich werde ständig darauf angesprochen. Deshalb gibt’s mich doch überhaupt noch“, sagt Schulz im Rückblick auf den umstritten verlorenen WM-Kampf am 22. April 1995 in Las Vegas gegen George Foreman. Der beim „Rumble in the Jungle“ an Muhammad Ali Gescheiterte war knapp 21 Jahre danach bei seinem Comeback so alt wie Schulz heute. Foreman habe ihm „den Eintritt verpasst“ ins Leben mit Werbeverträgen und TV-Präsenz. Schulz ist noch heute dankbar.

Als „weicher Riese“ taugt Schulz nach wie vor als TV-Experte, Markenbotschafter für eine Küchenutensilien-Firma und Grillsaucen-Erfinder. Die Loyalität zum Arbeitgeber geht ihm über alles: Auch bei seiner Hochzeit trug er das geliebte Basecap mit Werbeslogan auf dem kahlen Kopf.

Nach der Niederlage gegen Foreman bekam Schulz noch zwei WM-Chancen. Der zum Max-Schmeling-Enkel hochstilisierte Boxer verlor im gleichen Jahr gegen Francois Botha (Südafrika) und 1996 gegen Michael Moor (USA).

An den legendären Foreman-Kampf erinnert sich Schulz noch genau: Das Management der Schwergewichts-Legende hatte für eine freiwillige Titelverteidigung weltweit nach einem Gegner mit eher übersichtlichem Potenzial gesucht. Mit großzügigen Geldzuwendungen wurde erreicht, dass der international unbekannte Mann des Maske-Trainers Manfred Wolke in der IBF-Weltrangliste kletterte.

Doch Foreman hatte sich verzockt: Schulz entpuppte sich als unangenehm für den Koloss, dessen besten Tage längst hinter ihm lagen. Der Deutsche machte den Kampf seines Lebens, war schnell, ohne Respekt und traf den IBF-Weltmeister besonders in den letzten Runden oft.

„Sein linkes Auge war völlig zu“, sagt Schulz und erinnert sich an ein vor der Urteilsverkündung geschossenes Foto: „Ich jubele, George steht hinter mir mit gesenktem Kopf.“ Aber die Ringrichter machten „Big George“ zum 2:1-Sieger.

„Natürlich hätte ich gerne gewonnen, ich dachte auch, ich hätte. Aber wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre. Hätte ich meine Frau getroffen, mit der ich zwei wundervolle Kinder habe?“, fragt sich der Ex-Boxer. „Ein Unentschieden hätte mir mehr geschadet“, erklärt Schulz, der sein Image als Zauderer in Las Vegas abgestreift hatte.

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