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NWZonline.de Sport Weitere Kampfsport

Doping-Wirrwarr wirft Fragen auf

23.01.2019

Köln Die Doping-Wirren um die Profiboxer Felix Sturm und Manuel Charr gehen in die nächste Runde: Die sechsmonatige Sperre gegen Schwergewichts-Weltmeister Charr (34) wurde vom Weltverband WBA aufgehoben, zudem platzte am Montag der Prozess gegen den früheren Champion Sturm (39).

Zwei Wirkungstreffer, die Fragen im Anti-Doping-Kampf aufwerfen. „Im Profiboxsport fehlt es leider immer noch an einem von der Welt-Anti-Doping-Agentur anerkannten Dopingkontrollsystem mit vorschriftsmäßigen Sanktionen“, sagte Nada-Justiziar und -Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer: „Nach wie vor erkennen weder der internationale Boxsport noch der nationale Sportfachverband, also der Bund Deutscher Berufsboxer, den Welt-Anti-Doping-Code an.“

Bei Charr wurden im vergangenen September vor dem Kampf gegen Fres Oquendo (Puerto Rico) bei einem Urintest laut der Voluntary Anti-Doping Association (Vada) die Anabolika Epitrenbolon und Drostanolon nachgewiesen. Die Vada hatte dem Team Charr jedoch keine Möglichkeit gegeben, bei der Öffnung der beantragten B-Probe anwesend zu sein – ein Verfahrensfehler. Die Untersuchung einer dritten Probe soll einen negativen Befund erbracht haben. „Wegen der Zeitspanne zwischen der A- und B-Probe und der von Charr öffentlich gemachten Kommunikationsprobleme wird die Sperre zurückgenommen“, heißt es nun in der Mitteilung.

An diese Entscheidung sind jedoch Bedingungen geknüpft. Dazu gehört die Pflichtverteidigung gegen Oquendo binnen 60 Tagen. Zudem machte die WBA klar, dass Charr bei einem erneuten positiven Dopingbefund gesperrt und ihm der Titel aberkannt werde.

Sowohl Charr als auch Sturm hatten immer wieder ihre Unschuld beteuert. „29 Jahre in diesem Sport, 29 Jahre sauber. Ich komme zurück“, twitterte Sturm. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte den früheren Weltmeister nach dessen positiver Dopingprobe Anfang 2016 auch wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt und damit juristisches Neuland betreten. Umsonst.

Am Montag wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens von der 8. Großen Strafkammer in Köln abgelehnt. „Das Gericht ist der Argumentation der Verteidigung gefolgt, wonach ein vorgenommenes Gutachten zu dem Schluss kommt, dass keine dopingrelevanten Spuren vorhanden sind“, sagte Sturms Anwalt Gottfried Reims.

Einen Profikampf hat Sturm seit dem 20. Februar 2016 nicht mehr bestritten. Nach der WM-Revanche gegen den Russen Fjodor Tschudinow wurde er in A- und B-Probe positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet. Weder der Weltverband WBA noch der Bund Deutscher Berufsboxer hatten Sturm trotz einer positiven Probe gesperrt.

Vor allem die Wende im Fall Sturm könnte den Profiboxsport in Deutschland beleben. Denn es scheint ein großer Kampf in der Mache zu sein. Supermittelgewichtler Sturm und sein Management peilen ein Aufeinandertreffen mit Ex-Weltmeister Artur Abraham (38) an – zwei Kämpfer, die immer noch einen großen Namen haben.

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