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Boxen: Raubein beeindruckte mit Disziplin

09.03.2013

Düsseldorf Es ist die siebte Runde, und „Rocky“ muss handeln. Ein Cut am rechten Auge zwingt den Berliner zur Attacke. Der 24-Jährige setzt zum Schlaghagel an und lässt gegen Vincent Boulware (USA) die Fäuste fliegen. Nach 49 Sekunden in der achten Runde bricht der Ringrichter den Kampf ab – und ein neuer Box-Held ist geboren: Graciano Rocchigiani.

Die 6000 Zuschauer in der Düsseldorfer Philipshalle sind an diesem 11. März 1988 aus dem Häuschen. Mit Mut und Leidenschaft boxte sich dieses Rabauken-Gesicht mit der Berliner Schnauze vor genau 25 Jahren in die Herzen der Fans. Deutschland hatte nach Max Schmeling (1905 - 2005/Weltmeister im Schwergewicht 1930 - 1932) und Eckhard Dagge (1948 - 2006/Weltmeister im Halbmittelgewicht 1976 - 1977) seinen dritten Box-Weltmeister.

Der gelernte Gebäudereiniger Rocchigiani genoss das Bad in der Menge, blickte aber auch etwas ungläubig in die Runde. Den IBF-Titel hatte er im Supermittelgewicht gewonnen, einer neu eingeführten Gewichtsklasse, die damals noch wenig Ansehen genoss. Auch die Börse blieb bescheiden. Gerade mal 10 000 DM (5112 Euro) erhielt er für seinen Coup.

Doch richtig glücklich wurde der heute 49-Jährige in der Gewichtsklasse nicht. Nach drei erfolgreichen Titelverteidigungen legte er den Gürtel nieder, um ins Halbschwergewicht zurückzukehren. Dort wurde er 1991 Europameister.

Trotz seines Raubein-Images galt der Berliner als ein disziplinierter Boxer, der über eine hervorragende Deckung verfügte und seine Schläge effektiv setzte. „Das Schöne an ihm ist, dass er unheimlich auf seine Ecke hört“, sagte sein Trainer Wolfgang Wilke in der Nacht des Sieges.

In den 1990er-Jahren konnte der gebürtige Duisburger nur noch selten an diesen Triumph anschließen und blieb im Schatten von Dauer-Weltmeister und TV-Star Henry Maske, gegen den er zweimal boxte. Beim ersten Mal sahen ihn viele als Sieger, doch der Gentleman-Boxer gewann umstritten nach Punkten. Im zweiten Kampf hatte „Rocky“ keine Chance. Auch gegen den „Tiger“ Dariusz Michalczewski blieb in zwei Kämpfen nur das Nachsehen, wobei er wieder im ersten Duell am 10. August 1996 am Hamburger Millerntor umstritten verlor.

Mehr und mehr haftete dem Sohn eines sardischen Eisenbiegers das Image des Verlierers an. Einmal noch machte er große Kasse. Als er am 21. März 1998 den vakanten Halbschwergewichtstitel der WBC erringen konnte, wollte das der Verband nicht wahrhaben. Rocchigiani klagte und erhielt Jahre später nach einem Vergleich 4,5 Millionen US-Dollar.

Von dem Geld ist ihm nicht viel geblieben. Immer wieder gab es Konflikte mit dem Gesetz. Körperverletzung, Sachbeschädigung, wiederholtes Fahren ohne Führerschein – die Liste der Verfehlungen ist lang. Dennoch steht Graciano Rocchigiani, der heute in Berlin lebt, bei vielen Boxfans nach wie vor hoch im Kurs – auch dank des magischen Abends am 11. März 1988.

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