ROSTOCK - Die Weltmeisterinnen haderten mit sich, die Verliererinnen mit den Punktrichtern: Zwei hochkarätige WM-Kämpfe am Sonnabend in Rostock machten zwar Werbung für das Frauen-Boxen, konnten die Stimmung bei allen vier Faustkämpferinnen aber nicht wirklich aufhellen. Federgewichtlerin Ina Menzer (Mönchengladbach) verteidigte ihre WM-Titel nach Version von WBC und WIBF ebenso wie Fliegengewichtlerin Susi Kentikian (Hamburg) die Kronen von WBA und WIBF. Die beiden weiterhin ungeschlagenen Boxerinnen sicherten sich darüber hinaus den erstmals vergebenen WM-Gürtel des Verbandes WBO.

Knappes Urteil

Besonders die Neuauflage des Duells von Menzer gegen die Niederländerin Esther Schouten begeisterte die knapp 4000 Zuschauer in der Rostocker Stadthalle. Doch während Menzer im Januar in Düsseldorf noch klar nach Punkten gewonnen hatte, dauerte es diesmal lange, bis das Urteil verkündet wurde. Mit zweimal 96:94 und einmal 95:95 werteten die Punktrichter überaus knapp für die Titelverteidigerin.

„Ich habe nach einer anstrengenden Woche nicht das umgesetzt, was ich im Sparring geboten habe“, war die Dreifach-Weltmeisterin Menzer unzufrieden. Schouten, bei der noch im Ring Tränen der Enttäuschung flossen, hatte dagegen einen „leichten Punktvorteil für mich“ ausgemacht. Die klareren Treffer verbuchte allerdings Menzer. Dabei profitierte die 28-Jährige insbesondere von ihrer Schnelligkeit. „Entscheidend war, dass Ina ihre taktische Linie im Kampfverlauf umgestellt hat“, sagte Trainer Michael Timm und lobte seinen Schützling.

Enormes Tempo

Zehn Runden auf hohem Niveau boxten auch Kentikian und die Kölnerin Julia Sahin. Beide gingen enormes Tempo, wobei Kentikian letztlich konditionelle Vorteile hatte. Doch auch sie war unzufrieden. „Ich kann es 1000 Mal besser“, lautete ihr Kommentar. Wie zuvor Shouten hatte auch Sahin „einen anderen Punktestand“ gesehen, lag aber damit angesichts des Schlaghagels von Kentikian nicht unbedingt richtig.