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NWZonline.de Nachrichten Kultur Kirche

Debatte In Oldenburg: Eine Terroristin als herausragende Persönlichkeit?

02.04.2019

Oldenburg Mutter. Journalistin. Atomgegnerin. Tochter eines Nazis. Oldenburgerin. Ulrike Meinhof war viel. Sie war auch Terroristin. Als Mitglied der Roten-Armee-Fraktion (RAF) wurde sie in den 70er Jahren wegen mehrfachen Mordes verurteilt und verbrachte den Rest ihres Lebens, bis zum Suizid, in Haft.

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Herausragend heißt nicht toll

Beleuchtet wird Leben und Werdegang Ulrike Meinhofs im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Oldenburger Lebensläufe im Dialog“, bei dem anlässlich Karl Jaspers 50. Todestages sechs „herausragende Oldenburger Persönlichkeiten“ vorgestellt werden. Neben der Linksradikalen werden Philosoph Karl Jaspers selbst, Frauenrechtlerin Helene Lange, Literaturwissenschaftler Paul Raabe, Verleger Peter Suhrkamp und der Theologe Rudolf Bultmann porträtiert. Allen gemein: Sie sollen das protestantische Prinzip verwirklicht haben, wie es in der Ankündigung des vom 9. April bis 25. Oktobers gehende Kooperationsprojekts von Ev.-Luth. Kirche, Uni, Karl Jaspers Gesellschaft, Lamberti-Kirche, Landesbibliothek und Stadt heißt.

„Unangemessen“, findet Christoph Baak. Der CDU-Kreisvorsitzende sagt: „Ulrike Meinhof ist für uns keine herausragende Oldenburgerin, sie war in erster Linie kommunistische Terroristin. Ihren Namen in einer Reihe mit verdienten Oldenburger Persönlichkeiten und Protestanten zu nennen, halten wir für außerordentlich unpassend.“ Für ihn gehöre es nicht zur protestantischen Tradition, Polizisten als „Schweine“ zu bezeichnen, die „geschossen werden“ können, so wie Meinhof es tat. Man könne sie nicht lediglich als „umstritten“ bezeichnen – „das muss man verurteilen“, sagt Christoph Baak und spricht von einer „gefährlichen Verharmlosung“. Über eine Frau, die als Studentin der Deutschen Studienstiftung „hoch nachdenklich“ war und „zuletzt wie Michael Kohlhaas in ihrem Gerechtigkeitssinn“ fanatisch entgleiste, kann und muss man sprechen, findet Matthias Bormuth, „gerade wenn man aus der Geschichte kritisch lernen will“. Der Oldenburger Philosoph steht am 25. September, 19.30 Uhr, im PFL mit Wolfgang Kraushaar, einem der bekanntesten Historiker der 68er Zeit, im Gespräch. Seine Forschung zeigt auf, wie Ulrike Meinhofs zweifelhafte Radikalisierung nicht bloße Folge einer Gehirnoperation sei, sondern ihrem hypersensiblen Gewissen und immer fanatischeren Milieus entspringe, die ihre Fähigkeit zum Abwägen nahmen und die Friedenskämpferin zur Terroristin werden ließen. Für den 55-Jährigen ist die Oldenburgerin „herausragend – mit aller Ambivalenz“.

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Niemand wolle Gewalt rechtfertigen, sondern ihre Entstehung aus fehlgeleitetem Gerechtigkeitsgefühl vor Augen führen. Deshalb gehörte Ulrike Meinhof in die Riege bedeutender Stadtsöhne und -töchter, auch wenn diese das „protestantische Prinzip“ vorbildlicher lebten.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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