Idafehn/Ramsloh - Eigentlich, sagt Pfarrer Florian Bortfeldt, sei er ja ein „Spätberufener“. Gemeint ist nicht sein geistliches Amt – Bortfeldt ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Idafehn, Strücklingen, Ramsloh – sondern seine Leidenschaft: das Laufen. Im Alter von 30 Jahren fand er 1997 zum Laufsport – „eher unregelmäßig“, berichtet er. Nach vier Jahren hing er die Laufschuhe wieder an den Nagel – bis ihn vor genau zehn Jahren die ersten Wehwehchen plagten. Der Rücken schmerzte, das Knie auch. „Der Arzt riet mir zu Sport.“

Seither läuft Florian Bortfeldt drei bis vier Mal in der Woche – „beschwerdefrei“, berichtet der 46-Jährige. Seit 1998, als er Pfarrer in Idafehn wurde, ist sein Lieblingslaufrevier der Idasee. In den ersten Jahren habe er schon häufiger seinen inneren Schweinehund überwinden müssen. Heute sagt er: „Wenn ich nicht laufe, fehlt mir etwas.“ Deshalb steigt er auch bei Schnee oder Regen in die Laufschuhe, um seine fünf Runden um den Idasee zu absolvieren. „Nur wenn es zu stark regnet oder Eis liegt, verzichte ich.“

Auf Wettkämpfe hatte Florian Bortfeldt bislang verzichtet. Der „Ossiloop“ von Bensersiel nach Leer im Mai, bei dem er auf einer Etappe gestartet war, hat ihn aber auf den Geschmack gebracht: „Ein tolles Erlebnis“, sagt der 46-Jährige. Nächstes Jahr will er alle Etappen mitlaufen.

„Ich will mich wohl fühlen in meinem Körper“, sagt der Geistliche über seine Motivation, jeden zweiten Tag in die Laufschuhe zu steigen. In seinem Job muss Florian Bortfeldt „sehr viel Torte essen“. Das Laufen helfe ihm dabei, „nicht aus dem Leim zu gehen“. Ausgleich sei das Laufen auch für seinen Beruf, den er häufig doch im Sitzen erledige. Beim Laufen kommen ihm aber auch „die besten Ideen“, sagt der Pfarrer – etwa zur Gottesdienstgestaltung. Auch den anstehenden Tag könne er im Kopf nochmals durchgehen und strukturieren.

Gelegentlich sehen ihn morgendliche Jogger – Florian Bortfeldt startet gegen 7.15 Uhr – auch murmelnd vor sich hinlaufen. „Ich bete dann laut vor mich hin“, erzählt der gebürtige Sandkruger. Dass er auf seiner Strecke auf Menschen trifft, kommt aber seltener vor: Um diese Uhrzeit sei die Strecke um den Idasee, die zu einem Drittel über Pflaster führe, zu zwei Dritteln über festen Sandboden, verlassen. „Ich nehme nie ein Handy mit oder höre Musik beim Laufen.“ So lenkt ihn nichts ab.

Das Naturerlebnis ist für Florian Bortfeldt wichtig. „Ich liebe es, durch die Natur zu laufen.“ Dafür nutzt er auch den Urlaub in Schweden, zu dem er mit seiner Familie im Juli wieder aufbricht. „Dort gibt es wunderschöne Laufreviere, dort zu laufen, macht irre Spaß“, freut sich der laufende Pfarrer schon.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)