• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Kirche

Nordwolle-Museum: Prunkvolle Kanzel zeigt Vertreibung aus dem Paradies

03.12.2010

DELMENHORST „Eines der schönsten Weihnachtsgeschenke“ sei das gewesen, freut sich Hans-Hermann Precht, stellvertretender Leiter des Nordwolle-Museums. Seit fast zwanzig Jahren habe er mit der Kirchenkanzel aus dem Inventar des Herrenhauses Hohehorst geliebäugelt. Bislang war diese aber zentrales Ausstellungsstück im Stader Schwedenspeicher-Museum. Unter der Leitung des Direktors Dr. Sebastian Möllers wird das Museum nun völlig umgestaltet – die Kanzel stand im Weg. Am Donnerstag wurde sie daher offiziell dem Nordwolle-Museum als Dauerleihgabe übergeben. „Ich habe gejubelt“, erzählt Hans-Hermann Precht von dem Moment, als er von der Entscheidung der Stader erfuhr.

Einiges sei über das Prunkstück bekannt, vieles aber offen, berichtet Precht. Die über zwei Meter hohe Kanzel ist wohl um das Jahr 1700 in den Niederlanden entstanden. Als Künstler wird ein Mann namens Ouden genannt. Das Exponat zeigt die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies. Gemutmaßt wird, dass die Kanzel im Auftrag Friedrich des I. von Preußen für eine hohenzollerische Kirche im Brandenburgischen geschaffen wurde. Sicher ist, dass Georg Carl Lahusen, letzter Nordwolle-Konzernchef, in den 1920er Jahren die Kanzel für 100 000 Reichsmark erwarb. Das aus Hunderten von Einzelteilen bestehende Objekt ließ er in der Empfangshalle seines Herrenhauses Hohehorst aufbauen. Vor dem Prunkstück fanden seine Hausandachten statt.

Im Zuge des Niedergangs des Nordwolle-Konzerns wurde am 1. und 2 Dezember 1931 das gesamte Inventar Lahusens versteigert. Die Leute spotteten, dass die auf der Kanzel verewigte Vertreibung wohl eher das Schicksal Lahusens zeige. Das wertvolle Kunstwerk aus Eichenholz fand keinen Bieter und geriet in Vergessenheit. Erst 1957 wurde es restauriert und von der Stadt Bremen dem Stader Geschichts- und Heimatverein übergeben. Seit 1975 stand die Kanzel im Schwedenspeicher-Museum.

Die verbliebenen Lücken in der Odyssee der symbolträchtigen Kanzel möchten die Mitarbeiter des Nordwolle-Museums aufarbeiten. Das Exponat ist als Teil der Sonderausstellung „125+X“ – eine Ausstellung mit Werkstattcharakter – ab sofort zu sehen. Am Sonntag, 12. Dezember, 11 Uhr, steht die Kanzel anlässlich einer Sonderführung zum Thema Aufstieg, Glanz und Niedergang der Lahusen-Dynastie im Mittelpunkt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.