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Kirche Oberstes Gebot für alle Religionen: Nächstenliebe

Walburg Dittrich

WILHELMSHAVEN - „Oh nein, nicht schon wieder!“ Das dachte Pastor Rainer Claus, als er am Sonnabend vergangener Woche im Konfercamp in Wildflecken von seinem Radiowecker geweckt wurde. „Jetzt also auch in Norwegen.“ Die Nachricht vom Bombenanschlag in Oslo und dem Massaker im Feriencamp in Utoya erreichte den Pastor also, als er selber mit 164 Jugendlichen in einem Camp war. Der Gedanke: „Was wäre wenn?“ kam automatisch. Da es der letzte Tag im Camp war, habe man den Kindern diese schreckliche Nachricht erst einmal vorenthalten.

Die Wirklichkeit holte die Kinder aber schon auf der Rückreise ein, denn in den Raststätten liefen auf Großbildschirmen die schrecklichen Bilder. Auf die Frage „Kann so etwas auch bei uns passieren?“ hätte man leider mit „Ja“ antworten müssen, so Claus in seiner Predigt. Und was ihn zusätzlich erschüttert hätte – der Attentäter war ein radikaler Christ, ein selbst ernannter Kreuzritter. „Eine heilsame Erkenntnis“, so Claus. „Denn wenn irgendwo eine Bombe explodiert, denkt man doch als erstes immer an Islamisten.“ So könne man sich vorstellen, wie Muslime sich fühlen, die immer mit den radikalen Islamisten in einen Topf geworfen werden.

Nein, Nachrichten seien selten eine Freude. Doch in diesen Tagen seien sie besonders schlimm. Die Bilder der Hungersnot in Afrika seien ebenso erschütternd. Das täglich Brot ist immer noch nicht überall alltäglich. Daran sollte beim Gottesdienst ein gedeckter Tisch mit einem duftenden Brot darauf erinnern. An den friedlichen Rosenzug der rund 200 000 Norweger in Oslo erinnerten fünf Rosen auf dem Altar.

Lieder und Gebete

„Heute Abend sind die Straßen mit Liebe gefüllt (. . .).Wir wollen Hass mit Zusammenhalt beantworten. Wir wollen zeigen, wozu wir stehen“, zitierte Pastor Claus den norwegischen Prinz Haakon. Und er spannte den Bogen aus Liedern („Herr höre meine Klagen, Herr höre meine Fragen“ und „Gib Frieden Herr, wir bitten. Gib Mut zum Händereichen, zur Rede die nicht lügt. . .), Gebeten (Gib uns Herr was wir brauchen zum Leben, täglich Brot, Liebe und Zusammenhalt) und Gleichnissen (die Geschichte der drei Brüder) zum großen Kernpunkt der drei großen Weltreligionen – der Nächstenliebe. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ sei bei Christen, Juden und auch bei Muslimen oberstes Gebot.

In der gut gefüllten Heppenser Kirche hatten auch Anna Weimer (13) und Jana Zwafelink (12) den Gottesdienst verfolgt. Beide waren ebenfalls in Wildflecken. „Ich war erschrocken. Wie kann ein Mensch anderen Menschen so etwas antun?“, sagt Jana. „Deswegen bin ich heute hierher gekommen.“ Und Anna: „Was in Norwegen geschehen ist, hat mich sehr berührt. Aber ich war auch erleichtert, dass die Norweger nicht in Hysterie ausgebrochen sind.“ Richtig peinlich finden Peter Meyer-Dammast und seine Frau Heike, das Kreuzrittertum des Attentäters. „Ich finde es gut, dass tagespolitische Themen auch in der Kirche angesprochen werden“, sagt Heike Meyer-Dammast. „Wir sind doch nicht losgelöst von dieser Welt.“

Er sei schon speziell wegen dieses Gottesdienstes gekommen, so Hans Peeks. „Ich fand es gut, dass Pastor Claus die Gemeinsamkeiten der großen Weltreligionen dargestellt hat. Gewalt geht immer nur von wenigen aus. Vergebung ist die Aufgabe der Christen.“

Lob für Pastoren

Seine Tochter Denise Peeks, heute Lektorin der Heppenser Gemeinde, war als Kind selbst in Wildflecken. „Da stellt man automatisch Vergleiche an.“ Gut fand sie, dass Pastor Claus das oberste Gebot der Nächstenliebe so deutlich hervorgehoben hat. Elke Ockenfels ist jeden Sonntag in der Heppenser Kirche. „Dieser Gottesdienst war etwas besonderes. Mir geht das alles so nah“, sagt sie und kämpft mit den Tränen. „Man versteht die Welt nicht mehr“, sagt Werner Otten. „Schön dass Pastor Claus das Thema aufgegriffen hat. Ein Gottesdienst ist eine andere Art und Weise, solche Ereignisse zu verarbeiten. Aber wir haben ja hier in Heppens drei ganz tolle Pastoren, für die ist ihr Beruf nicht nur ein Job.“

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