Der Gesprächsbedarf in der CDU scheint groß nach der Wahlschlappe. CDU-Chef Bernd Althusmann zieht sich allmählich den Ärger der Medien-Szene in der Landeshauptstadt zu – durch Verspätungen. Erst verschob sich eine Pressekonferenz im Hasselmann-Haus um Stunden, dann warteten Kameras und Korrespondenten lange nach Ende der Fraktionssitzung auf ein Statement. Ein CDU-Mitglied nach dem anderen verließ den Fraktionssaal, einzig der neue Fraktionschef blieb aus unerfindlichen Gründen drinnen. Zeit genug, den Kalauer aus dem Wahlkampf aufzuwärmen: Da verpatzte Althusmann gleich einen ganzen TV-Termin, weil er ins (falsche) Studio Hannover statt nach Hamburg fuhr. Ein Trost: Diesmal fand der CDU-Chef wenigstens die wartenden Journalisten – wenn auch mit reichlich Verspätung.

Siegestaumel verführt schon mal zu manch’ fragwürdigem Liedgut. So intonierten berauschte Sozialdemokraten am Wahlabend zu mitternächtlicher Stunde die „Internationale“. Selbst einzelne Fäuste reckten sich – wenn auch leicht schwankend – in die Höhe. Bleibt die Frage, ob solches Liedgut bei gemeinsamen Feiern in der Großen Koalition auf dem Index landet – oder nicht! Abwarten.

SPD-Generalsekretär Detlef Tanke und der wiedergewählte Abgeordnete Ulf Prange aus Oldenburg nahmen in der konstituierenden Sitzung der Landtagsfraktion die künftige Regierungskoalition schon vorweg. Beide marschierten in auffälligen schwarz-rot Kombinationen in den Saal. Ein Plädoyer für eine Große Koalition mit den „Schwarzen“? Beide lächelten. Prange („Schau’n wir mal“) wies darauf hin, dass sein Jackett erst „anthrazit“ sei. „Da muss noch was passieren bis zu Schwarz...“

Als „Roter“ kehrte dagegen der Grünen-Abgeordnete Helge Limburg zurück. Zur ersten Sitzung der Fraktion trug der Sportfan eine tiefrote Trainingsjacke mit drei weißen Blitzen nach links unten: Das Symbol der „Eisernen Front“, die 1932 zur Abwehr der Nazi-Herrschaft gegründet wurde. Übrigens: Die politische Führung des Abwehrbündnisses lag beim ebenso legendären wie unvergessenen SPD-Parteivorsitzenden Otto Wels. Ob Jacke und Symbol etwas mit dem Einzug der AfD in den Landtag zu tun haben. „Vielleicht ist es auch Zufall?“ lässt Limburg die Antwort (vielsagend) offen.

Eine andere Grüne lebt in diesen Tagen mit Hoffen und Bangen. Susanne Menge aus Oldenburg verpasste den Einzug in den Landtag wegen zwölf Stimmen, die bei den Zweitstimmen für die Grünen in ganz Niedersachsen fehlten. Neu ausgezählt wird deshalb nicht. „Aber wir schauen, ob es irgendwo Fehler gibt“, heißt es aus dem Landeswahlamt. Ein nur kleiner Trost.