Gero Hocker muss zum Verhör. Das US-Konsulat in Berlin hat den FDP-Generalsekretär zum Gespräch einbestellt. Das Vergehen des Wirtschaftswissenschaftlers: Der Landtagsabgeordnete begleitete im vergangenen Herbst Wirtschaftsminister Olaf Lies (Sande, SPD) auf eine Reise in den Iran, um nach dem Ende des Wirtschaftsboykotts die Chancen für niedersächsische Unternehmen auf dem iranischen Markt auszuloten. Zahlreiche Gespräche führte Hocker dazu in der Hauptstadt Teheran. Höchst verdächtig, befanden US-Beamte, als Hocker jetzt ein Visum für die USA beantragte. Erst Kontakte zu den Mullahs und dann eine Reise nach New York? Der Liberale musste nicht nur eine ellenlange Frageliste beantworten, sondern darf sich jetzt auch noch persönlich im US-Konsulat den investigativen Recherchen amerikanischer Behördenvertreter stellen. Der US-Geheimdienst will alles wissen vom 40-Jährigen. Auch ob er bei Hitlers Waffen-SS war! Hocker kann nur den Kopf schütteln.
Ein altes Schlachtross zieht’s wieder auf die politische Rennbahn. Gerd Andres meldet sich zurück. Der mittlerweile 64-jährige Hannoveraner sucht eine neue Herausforderung in und mit seiner SPD. Bei der Kommunalwahl tritt Andres in Groß-Bucholz als Kandidat für einen Sitz im Rathaus Hannover an. Ganz unten, an der Basis sozusagen. Weit weg von der Bundespolitik, in der Andres eine veritable Karriere machte. Er war 22 Jahre lang bis 2009 Abgeordneter im Bundestag, war fast zehn Jahre Staatssekretär unter Gerhard Schröder und später unter Angela Merkel. Der Niedersachse galt in der Zeit als großer Strippenzieher – vor allem in der Truppe der Seeheimer. Und jetzt Provinz? Wiederauferstehung eines Polit-Rentners? Viele in der SPD wollen’s nicht glauben. Gegen den 36-jährigen Bezirksbürgermeister Henning Hofmann setzte sich Andres im innerparteilichen Kandidaten-Duell locker durch. Was Andres locken mag an kommunalpolitischer Kärrnerarbeit? Der Strippenzieher verriet mal im kleinen Kreis: „Ich bin überzeugter Parlamentarier und Demokrat!“ Unerklärlich, warum es in der SPD so viele Zweifler gibt.
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) leidet wie schon lange nicht. Dem Herzens-Fan von Hannover 96 schmerzt jede Niederlage seines Lieblingsvereins, dem er schon seit früher Jugend unerschütterlich die Treue hält. Immerhin musste Dauerkarten-Besitzer Weil nicht die äußerste schmerzliche 0:4-Pleite seines Clubs gegen Wolfsburg in dieser Woche miterleben. Weil nahm als Gastgeber am traditionellen Grünkohl-Essen in der niedersächsischen Vertretung in Brüssel mit 400 geladenen Gäste teil. Am Rande führte Niedersachsens Regierungschef selbstverständlich ein Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Dabei ging es natürlich um Flüchtlingskrise und Billigstahl aus China – aber auch um Fußball. Der Luxemburger Juncker offenbarte sich als glühender Anhänger von Eintracht Braunschweig. Nun ja, derzeit auch nicht gerade ein vom Erfolg verwöhnter Verein. So konnten sich Weil und Juncker gegenseitig trösten.
