Stühlerücken auf der Regierungsbank für Volkswagen: In der Aktuellen Stunde des Landtags wanderte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) auf die andere Seite der Regierungsbank direkt an die Seite von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Die beiden wollten sich sicherheitshalber eng austauschen bei der Fragerunde von CDU und FDP zum „Chaos“ beim Weltkonzern. Damit sich die VW-Aufsichtsräte Weil und Lies Schulter an Schulter den bohrenden Fragen stellen konnten, musste Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) ganz auf die andere Seite – auf den Lies-Sessel wechseln – direkt vor den Sitzreihen der CDU. „Auge in Auge mit der Opposition. Eine ganz neue Erfahrung“, sinnierte Schneider hinterher. Auf seinem gewohnten Platz blickt Schneider nur auf wohlwollend zustimmende SPD-Abgeordnete. Lies tröstete: „Man gewöhnt sich an den Anblick der Opposition. Hauptsache, es bleibt so, wie es ist...“

Nicht nur Sportler sind manchmal weit von ihrer Bestform entfernt. Sitzungspräsidenten geht’s auch schon mal so. Als Karl-Heinz Klare (CDU) die Landtagssitzung leitet, vergisst der Diepholzer erst die Abstimmung über die von der FDP gewünschten Änderungen des Jagdrechts, damit der Wolf gejagt werden kann. Dann fragt Klare gar nicht nach den Gegenstimmen – und als der Wirrwarr nach heftigen Protesten geklärt ist, unterschlägt Klare eine Wortmeldung von Boris Pistorius (SPD), der eine Erklärung für das Innenministerium abgeben will. Klare schickt den Minister auf seinen Platz zurück. Erst laute Zurufe verhelfen Pistorius am Ende zum Rederecht. Manchmal läuft auch (fast) alles schief.

Manchmal läuft’s aber auch gut. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne), der sich über Mangel an Kritik von Bauern keineswegs beklagen kann, erzählt eine kleine Anekdote vom letzten Treffen mit Milchbauern. „Früher war es üblich“, so Meyer schmunzelnd, „dass Plakate von Bauern hochgehalten wurden: Hast Du eine Kuh, wähl’CDU“. Doch bei der letzten Diskussion in Ostfriesland wegen dramatisch fallender Milchpreise habe doch tatsächlich jemand eine Plakat-Variante entrollt: „Hast Du eine Kuh, wähl’ nie wieder CDU“. „Das liest man gern“, macht Meyer aus seinem Herzen keine Mördergrube.